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54 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
dringen marſchfertig zu halten. Schon während der Nacht wurden
die verſchiedenen Bataillone enger zuſammengezogen und beim An⸗
bruch des Morgens begann die Operation. Die Bayern zogen, un⸗
gefähr 5000 Mann ſtark, von Snogbeck, Satrup, die Sachſen unter
Anführung ihres königlichen Prinzen Albert, zirka 6000 Mann von
Aßbüll, Lundgard und Nübel herbei und einigten ſich in der Gegend
von Rackebüll, von wo aus ſie die Düppeler Schanzen in Sicht be⸗
kamen und ihre Schlachtordnung entwickelten. Den rechten Flügel
bildeten die Sachſen, den linken Flügel die Bayern, das Zentrum
wurde von der vereinten Artillerie aus ſechs Batterien, von einem
Regimente bayriſcher Kavallerie gedeckt, gebildet. Ungefähr um
8 Uhr morgens begann der Sturm; mehr als 30 deutſche Geſchütze
von verſchiedenen Kalibern eröffneten den Kampf, und die Dänen
antworteten mit ihren 36 Kanonen, mit welchen ſie, da ſie die Kar⸗
tätſchen gegen die offen vor ihnen entwickelten bayriſchen und ſächſi⸗
ſchen Kolonnen weit wirkſamer anwenden konnten als die unſern
gegen die hinter den hohen Schanzen verſteckten Feinde, anfangs
großen Schaden anrichteten. Im wilden gegenſeitigen Kampfe wurde
leider die Däppeler Mühle und mehrere Höfe in Brand geſchoſſen,
ja ſogar die Kirche ſtand in Gefahr, von den Flammen ergriffen zu
werden. Doch dies brach den Mut der wackeren deutſchen Truppen
nicht, ſie ſtanden feſt wie eine Mauer im ſtärkſten Feuer, und mit
wahrhaft begeiſtertem Hurraruf begrüßten ſie das Kommando zum
Sturm, und nun entwickelte ſich ein Bajonettangriff, wie er ſeit den
Zeiten der napoleoniſchen Kaiſergarde nicht wieder erlebt wurde.
Die Trommeln wirbelten, die Hörner tönten, die Kanonen don⸗
nerten und jauchzend, als ob es zum fröhlichſten Feſte ging, ſtürmten
die wackern Bayern und Sachſen mit dem Bajonett gegen die Schan⸗
zen. Wohl viele wurden von den Kartätſchen und von Kleingewehr⸗
feuer noch hingerafft, aber ob ſich auch Leichenberge um ſie her bil⸗
deten, um ſo wütender drangen die Deutſchen vor. Endlich hatten ſie
die Schanzen erreicht, es entſpann ſich ein Kampf, Mann gegen
Mann, Auge in Auge, und nach kurzem Widerſtande wichen die
Dänen, alle ihre Kanonen im Stiche laſſend, flohen unaufhaltſam
die Landſtraße hinab nach der Schiffbrücke, um die Hiobspoſt ihrer
Niederlage nach Alſen zu bringen, während die ſchwarz⸗rot⸗goldene
Fahne hoch auf den eroberten Schanzen wehte. Um Mittag war der
Sieg vollſtändig errungen. Die Artillerie wurde ſogleich beordert,
dem fliehenden Feinde nachzurücken und den Brückenkopf zu zer⸗
ſtören. Auch dies gelang über alles Erwarten trotz der verzweifelten
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