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58 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
keit und eines der kriegeriſchen Blätter, „Flyvepoſten“, prahlte: „Die
Deutſchen werden mit Schrecken erfahren, was es heißt, die jütiſche
Halbinſel zu betreten.“ Dasſelbe Blatt vertröſtet wieder auf fremde
Hilfe: der König von Schweden habe Jütlands Beſetzung als Be⸗
dingung ſeiner Unterſtützung angegeben, und auch Rußland werde
— ſobald nur der auch ihm gefahrvolle ungariſche Aufſtand vorüber
ſei — gegen die eroberungsſüchtigen Deutſchen auftreten. Man
möge alſo den Mut nicht verlieren, ſondern alles aufbieten, um dem
Feinde zu ſchaden, Schiffe rauben, auf das Geld Beſchlag legen, das
däniſche Kaufleute deutſchen ſchuldig ſeien und dergleichen mehr.
(Aus Nr. 78:) In Jütland ſind noch immer keine Reichstruppen
den braven Schleswig⸗Holſteinern nachgerückt. Dagegen hat der
General v. Prittwitz ſeinen Offizieren in Hadersleben eröffnet, daß
der Einmarſch in Jütland nächſtens erfolgen würde; der König ſelbſt
habe jetzt den Befehl dazu gegeben, er wolle, daß die Schleswig⸗
Holſteiner, die ſich wie Männer geſchlagen, möglichſt geſchont werden.
Durch andere Tatſachen wird man freilich in dieſem Glauben
beſtärkt, daß es bisher mehr in der Abſicht Preußens lag, daß die
Dänen „möglichſt geſchont“ werden. So wurde neulich das däni⸗
ſche Blockadeſchiff vor Pillau, die Kutterbrigg „St. Croix“, durch
einen günſtigen Weſtwind dem Lande zugetrieben und lag volle zwei
Stunden im Bereich der Feſtungsbatterien. Die Einwohner ſchick⸗
ten eine Deputation an den Kommandanten, er ſolle das feindliche
Schiff beſchießen. Der erwiderte, „er habe keine Inſtruktionen“,
und ſpäter erhielt er die Inſtruktionen, „ſeinerſeits keine Feind⸗
ſeligkeiten zu eröffnen, ſondern ſtreng defenſiv zu verfahren!!“
(Aus Nr. 79:) An der Oſtküſte von Schleswig haben vier ſchles⸗
wig⸗holſteiniſche Kanonenboote einen Kampf gegen die Strandbatte⸗
rien der nordfrieſiſchen Inſel Föhr, wo die Dänen eine Flotten⸗
ſtation haben, ſiegreich beſtanden, ſo daß die Dänen, unter Zurück⸗
laſſung von Geſchütz und Munition, auf einer Korvette und einigen
Fahrzeugen das Weite geſucht haben. Die Frieſen ſind demnach
von den läſtigen und unwillkommenen Gäſten einſtweilen befreit.
(Aus Nr. 80:) Vom ſchleswig⸗holſteiniſchen Kriegsſchauplatz kommt
die Nachricht, daß die Preußen endlich in Jütland eingerückt ſind;
— allein dies Gerücht kam leider ſchon einigemal, ſo daß es immer
noch zu bezweifeln ſteht.
Acht Meilen weſtlich von Kolding hat ein Gefecht zwiſchen däni⸗
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