Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 61
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0061
I. Journaliſtiſch⸗Politiſches uſw. 61

im ſüdweſtlichen Winkel Deutſchlands wohnt, daß er zu der Einſicht
gelangt iſt, daß die Geſchicke Deutſchlands weder im Seekreis, noch
im Oberrheinkreis geändert werden können.
Mir ſcheint es eher darauf abgeſehen zu ſein, die Gemüter bei⸗
zeiten auf eine etwaige Sturmpetition behufs Auflöſung der Zwei⸗
ten Kammer, dieſes (wie die Republik ſcharfſinnig und charakterſtark
bemerkt) „ſtumpfſinnigen“ und „charakterlahmen“ Inſtituts vorzu⸗
bereiten, oder auch um einen gelinden Terrorismus auf die Anſichten
der nächſtens in Freiburg zur Aburteilung der Hauptunternehmer des
Struveſchen Freiſcharenzuges zuſammentretenden Geſchworenen aus⸗
zuüben. Aber bange machen gilt nicht. Die badiſchen Bürger haben
inzwiſchen auch das wahre edle Metall vom Katzengold unterſcheiden
gelernt und werden auf eine Weiſe antworten, die wohl von denen,
die gegenwärtig am meiſten in den Wald hineinſchreien, nicht er⸗
wartet wird.
Das franzöſiſche Volk hat neulich ſeinen „Dunkelroten“ mit der
Wahl Louis Napoleons ſonderbarlich geantwortet, und Proudhon hat
hierauf geſagt: „Unſere gute Sache iſt wieder um 100 Jahre zurück⸗
gekommen.“ — Nächſtens iſt dieſer letztere Ausſpruch vielleicht auch
in der hieſigen Republik zu leſen.

2. Die Märzerrungenſchaften.

(Aus Nr. 45:) „Was haben wir denn eigentlich erreicht? Iſt
es nicht ſo ſchlecht als zuvor? Sind wir nicht um alle Früchte des
März abermals betrogen worden? Wo ſind denn unſere Märzerrun⸗
genſchaften?“
Solche und ähnliche Fragen hört man nicht ſelten aufwerfen, und
ſie werden bisweilen von Leuten nachgeſprochen, denen man nicht
Unverſtand, ſondern höchſtens Mißverſtand vorwerfen kann. Und es
liegt etwas Wahres in dieſem fragenden Zweifel. Nicht alle die
Wünſche und Hoffnungen, die wir vor zwölf Monaten im ganzen
deutſchen Vaterlande haben laut werden hören, ſind erfüllt worden;
die Eintracht und zumal Einigkeit aller deutſchen Zungen und Herzen
iſt in bittere Zwietracht, Verfeindung und Bürgerkrieg umgeſchlagen.
Mit den freudigen und ſtolzen Erinnerungen des vorigen März miſcht
ſich das bittere Angedenken an ſo manches Herbe und Schmerzliche,
das uns das Jahr 1848 gebracht hat; manche Täuſchung, manch
vereitelte Hoffnung taucht in uns auf und drückt die Stimmung nie⸗
der, ſo daß wir kaum des Errungenen in Zufriedenheit gedenken mö⸗


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