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I. Journaliſtiſch⸗Politiſches uſw. 71
Kampf eine „blutige Komödie“, ein „verbrecheriſches Spiel mit
dem Leben der Söhne unſeres Volkes“ und ſpricht mit vornehmer
Verachtung vom „nationalen Duſel“, der den Krieg hervorgerufen.
Auf derlei Schmiererei haben wir nur eine Antwort, ein einfaches,
kräftiges „Pfui Teufel!“
Wir könnten noch ein paar Fragen hinzufügen. Was hat denn
die Erhebung der Schleswig⸗Holſteiner im vorigen März ins Leben
gerufen? Iſt nicht jener Krieg als das Kind unſerer deutſchen Re⸗
volution begrüßt und geführt worden? Was hat denn die beſten
Söhne des Landes angetrieben, ihr junges Blut und Leben auf dem
Schlachtfelde zu Bau hinzuopfern? Warum ſtehen jetzt wieder 16000
Mann eingeborene Schleswig⸗Holſteiner auf der Vorhut todesmutig
gegen den Feind?
Aber nein, es iſt überflüſſig, einem ſo innerlich verrotteten Men⸗
ſchen wie dem Urheber jenes Artikels dies und noch manches andere
vorzuhalten, denn „Gedanken ſtehen ihm zu fern“ und das Ehrgefühl
ſteht ihm auch zu fern, dem Mann, der mit alſo „unbefangenem
Blick und frei von nationalem Duſel“ die Dinge in Schleswig⸗Hol⸗
ſtein betrachtet.
Der Ehrenwerte gehört auch zu jenen, die mit Pauken und
Trompeten Lärm machen, daß Ungarn, daß Polen, daß Italien frei
werden müſſe, und die nur den Hohn der Verachtung haben, wenn
ſie ſehen, daß ihr eigenes Vaterland auch unter die Reihe der Nati⸗
onen eintreten will.
Aus dieſem Geſchreibe kann man auch ſehen, was die Männer des
Septemberkampfes zu Frankfurt, die der Verfaſſer gewiß zu ſeinen
Freunden zählt, eigentlich vorhatten, als ſie die Backen ſo voll nah⸗
men von „Verletzung der deutſchen Ehre durch den Waffenſtillſtand
von Malmö“ uſw. Das war nur der Vorwand für ganz andere
Zwecke und Pläne; denn wie kann ein Waffenſtillſtand einem ſo
nahe gehen, dem der ganze Krieg nur eine blutige Komödie, ein
nationaler Duſel iſt?
Wenn wir nicht ſo befangen im nationalen Duſel wären, daß
wir nicht einmal den größten deutſchen Lumpen an den Feind
freiwillig abzutreten geſonnen ſind, ſo möchten wir faſt vorſchlagen,
im künftigen Frieden mit Dänemark den Verfaſſer jenes Artikels
ſamt allem Gelichter, was ſeine Anſicht teilt, an die Dänen abzu⸗
treten, denn die Dänen, welchen man, wie Shakeſpeare ſagt, „von
Vernunft nicht reden darf“, könnten ſolche Individuen beſſer brau⸗
chen als wir.
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