Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 75
(PDF, 47 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0075
I. Journaliſtiſch⸗Politiſches uſw. 75

ſie ſagen, „weil die Errichtung des Reichsoberhaupts nicht ohne Ein⸗
wirkung auf die Zukunft unſerer heiligen Kirche ſein dürfte“. Wenn
ſich's um das Vaterland handelt, ſo fällt die Kirche nicht ins Gewicht.
Jetzt iſt's eine herzloſe Verſündigung am Volk, wenn einer ſchreibt,
wie der Volksführer: „Wenn uns etwa die Nationalverſammlung
zur Verteidigung ihres ſchlechten Machwerkes auffordern ſollte, ſo
ſagen wir: Nein! ſondern wir wollen ſehen, ob wir müſſen, und
wenn wir müſſen, ſo wollen wir ſehen!“
Es iſt eine Verſündigung am Volk, wenn einer jetzt, wo alles
auf dem Spiel ſteht, ſich noch ruhig darüber freut, wenn Elend und
Zerriſſenheit und alte Zwangsherrſchaft über uns hereinbrechen, nur
weil er denkt, je größer das Elend, deſto näher eine andere Revoluti⸗
on, wo ſich beſſer im Trüben fiſchen läßt.
Derlei herzloſen Leuten iſt das zu empfehlen, was der Reutlinger
Volksverein an die äußerſte Linke in Frankfurt geſchrieben hat: „Es
iſt jetzt nicht an der Zeit, die Frage von Monarchie und Republik
unter das Volk hereinzuwerfen, jetzt, wo es gilt, einig zu ſein und
wie ein Mann zu ſtehen für die deutſche Verfaſſung. Wir in Würt⸗
temberg ſind einig und werden durch dieſe Einigkeit ſiegen. Männer
des Volks! Hütet euch, durch ſonderbündleriſche Beſtrebungen die
Kraft des Volks zu zerſplittern!“
Das iſt der Ton, wie er angeſchlagen werden muß in den jetzi⸗
gen Tagen und wie er zum Herzen dringt.
Über der Reichsverfaſſung müſſen ſich die Parteien die Hände rei⸗
chen, ſonſt trifft der Feind, wenn er wirklich einen Angriff wagen
will, Zerſplitterung an und ſiegt; und es könnten Zeiten kommen,
wo alle um das verlorene Deutſchland zu klagen hätten. Folgen
wir darum in Baden dem Beiſpiele unſerer deutſchen Brüder in
Württemberg, und wenn die Tat notwendig wird, und wenn die
Nationalverſammlung ruft, ſo möge jeder unſere Regierung, die ſich
unbedingt für ſie erklärt hat, unterſtützen und ihr keine Steine auf
ihren eingeſchlagenen Weg legen; — und wenn's nottut, ſo möge
jeder badiſche Bürger, dem's Herz noch friſch iſt, mit ausziehen unter
dem ſchwarz⸗rot⸗goldenen Banner und den, hoffentlich letzten Kampf
gegen die Feinde der Einheit und gegen die Verderber der Nation
mitkämpfen.
Wenn wir einig ſind, dann gibt's ein freudiges Marſchieren. —


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0075