Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 76
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76 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

7. Noch ein Beſuch des Teufels.

(Aus Nr. 77:) Heidelberg, den 3. Mai. Erlauben Sie mir,
Ihnen auch etwas vom Teufel zu berichten; ich hatte die Ehre, ihn
geſtern hier zu ſprechen. Da er mir ſagte, daß er in den vater⸗
ländiſchen Blättern neulich beſſer geſchildert worden ſei, als in allen
„Journalen für Geiſterkunde“, und da er überhaupt auf die vater⸗
ländiſchen Blätter nicht übel zu ſprechen war, ſo iſt es gewiß zweck⸗
mäßig, wenn ich Sie von ſeinen jüngſten Anſichten in Kenntnis
ſetze. Ein ſchlauer Politiker bleibt er immerhin.
Da geh' ich alſo geſtern mit meinem alten Nachbar Maier aufs
alte Schloß. Es war wunderſchön; überall Frühlingsduft und Blü⸗
tenſchnee, und die Sonne ſchien ganz fidel drein.
Wie wir auf die Schloßterraſſe kommen, ſagt mein alter Nachbar
Maier: „'s is doch ſonderbar, der Gegend ſieht man's gar nit an,
daß gegenwärtig ſoviel in Deutſchland paſſiert; die is ſo ruhig und
ſchön wie ſonſt.“ — „Ja,“ ſagte ich, „Nachbar, wenn aber auch das
nicht wär', wenn unſer ſchönes Heidelberger Tal auch allmählich ſo
abſcheulich wüſt werden wollte wie unſere Politik, dann wär's voll⸗
ends zum Teufelholen.“
Wie ich das geſagt hatte, erhob ſich auf der in der Nähe ſtehenden
Bank ein Herr, dem wir bisher keine Aufmerkſamkeit geſchenkt hatten,
trat auf mich zu und ſprach: „Sie reden vom Teufelholen⸗ Bürger,
iſt's Ihnen vielleicht gefällig? Ich habe die Ehre, die betreffende
Behörde zu ſein, die dies am beſten beſorgen kann.“
Ich ſah den Herrn ſcharf an, — Koſtüm, Haltung, ſelbſt das
Fuchteln mit dem Schwanz und die Asbeſthandſchuhe, waren genau
ſo wie damals, als er Ihren Korreſpondenten vom Oberland be⸗
ſuchte.
Ich kannte ihn.
„Entſchuldigen Sie, Bürger Teufel,“ erwiderte ich, „für diesmal
hab' ich noch keine Luſt, mit Ihnen abzufahren. Sie werden übrigens
wiſſen, daß die Redensart vom Teufelholen in der deutſchen Volks⸗
ſprache, der ich ſie entlehnte, mehr mythiſch, als ernſt und wirklich
gemeint iſt; — denn, im Vertrauen geſagt, außer mir und dem Semi⸗
nardirektor Stern in Karlsruhe glauben wenige an Ihre werte
Perſon.“
„Weiß ſchon,“ ſagte der Teufel verdrießlich und ſchlug mit ſeinem
Schwanz einen blühenden Apfelbaumzweig ab, „tut aber nichts; ſie
werden ſchon bekehrt werden, dieſe Ihre ungläubigen Landsleute.


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