Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 78
(PDF, 47 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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78 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

lich die Hände reiben werde; und wenn Sie dereinſt, was nicht aus⸗
bleiben wird, in die Hölle kommen, ſo werden Sie finden, daß es
dort kaum ärger zugeht.“
Ich verbeugte mich verbindlich und erwiderte: „Bürger Teufel,
diesmal ſcheinen Sie ſich doch zu verrechnen. Die Revolution, die
jetzt kommt, wird anſtändiger durchgeführt als je eine in Europa.
Blicken Sie gefälligſt nach Stuttgart. Jeder deutſche Biedermann
wird teilnehmen, und da kommt weder Teufelei von oben noch von
unten dagegen auf. Wenn einmal nach Frankfurt marſchiert wird
fürs Parlament, ſo bemühen Sie ſich hin, Sie werden lauter brave
Leute auf Seite der Revolution finden.“
„Fehlgeſchoſſen,“ ſagte der Teufel und fuchtelte höhniſch mit dem
Schwanz, „ja, wenn alle ſo dächten, wie Sie reden. Da kommen
ganz andere Dinge. Während Sie und die braven Bürger mit den
Truppen vielleicht nach Frankfurt marſchieren, da fangen meine
‚Kleinen' wieder an. Denen iſt's nicht um deutſche Einheit zu
tun, ſondern um eine Republik, deren Präſidentſchaft eigentlich von
Gottes und Rechts wegen mir gebührt. Die lachen ſich nur ins Fäuſt⸗
lein, wenn Sie und die andern ausziehen.“
„Die ſchlagen in Ihrem Rücken los, ich habe neulich meinen Freund
Sigel beſucht, dem juckt's ſchon in allen Gliedern, bis er wieder her⸗
überkommt, und während dort für die Reichsverfaſſung gekämpft
wird, wird hier wieder mein altes Leiblied ‚Wohlſtand, Bildung und
Freiheit für alle’ geſungen, und es geht drunter und drüber, wie
beim Turmbau zu Babel.“
„Ja, es ſteht grün in Deutſchland; ich gedenke noch einige Jahre
hier zu verweilen.“
„Donnerwetter,“ brummte mein Nachbar Maier, „machen Sie
mir nicht Angſt, Herr Teufel, Sie verderben mir ja ganz den Appetit
zum Nachteſſen.“
„Das ſind ſchöne Ausſichten; dem müßte doch noch abgeholfen
werden können. Sagen Sie lieber, was zu machen iſt, damit wir
nicht ſo tief ins Pech hineinkommen.“
Der Teufel lächelte und ſprach: „O, es wäre noch allerlei zu
machen. Ich könnte Ihnen wohl ſagen, wie Deutſchland noch auf
einen grünen Zweig kommen könnte. Ja, ich will's Ihnen ſogar
mitteilen, auf Gefahr, daß Sie's irgendwo abdrucken laſſen, denn
ich weiß doch zu gut, daß es nicht ausgeführt wird.“
„Wenn ich nicht der Teufel wäre, ſondern einer, der's mit Deutſch⸗
land gut meint wie etwa der Erzengel Gabriel, ſo macht' ich zuerſt


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