Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 83
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0083
I. Journaliſtiſch⸗Politiſches uſw. 883

4. Drei Briefe an Schwanitz.

Kaarlsruhe, 28. Juli 1849.
Das war ein böſes halbes Jahr, ſeitdem ich Dir nicht mehr ge⸗
ſchrieben habe. Und jetzt?! — „Sie hängten ihre Harfen an die
Weidenbäume bei Babylon und trauerten und weinten um Zion.“
Jetzt ſind wir ſoweit gekommen, daß wir Badenſer unſer kleines
Vaterland verloren und kein großes dafür gewonnen haben. Alt⸗
deutſchland, wo biſt du zu finden? — Eben begraben ſie's oben in
Schleswig, und unſere Ehre dazu!
— Lieber alter Freund! Ich bin noch zu deprimiert von alledem,
was in den letzten drei Monaten an mir vorüberzog, als daß ich Dir
ausführlich auf Deine teilnahmsvollen Zeilen vom 20 ten Juni ant⸗
worten könnte. Ich kann Dir nur ſoviel ſagen, es geht mir gut,
inſofern ich nicht totgeſchoſſen oder europaflüchtig bin, — ſchlecht,
inſofern ich mit Hoffnungen, Träumen, Ausſichten vollſtändig an
die Luft geſetzt bin und leider noch ein Herz für den Jammer bei
uns und in Deutſchland habe, ſo daß ich gegenwärtig im Sinne un⸗
ſerer badiſchen Reſtaurationskünſtler zu nichts oder zu ſehr wenig
tauge.
An der Revolution in Baden habe ich keinen Anteil genommen,
nicht weil ich keine Revolution wünſchte, ſondern weil ich eine ganz
andere Organiſation des deutſchen Reichsverfaſſungskampfes an⸗
ſtrebte, und weil ich mit dem Neckarbundsgeſindel, welches bei uns
im Namen der deutſchen Freiheit ſein Schindluder trieb, nichts ge⸗
mein haben wollte.
Nach meiner Anſicht mußte eine irgend über den Horizont un⸗
ſerer kleinen Lumpenblätter hinausreichende Politik dahin zielen, die
28 verfaſſungstreuen Regierungen waffen⸗ und kampfbereit zu ma⸗
chen; den inneren Hader ruhen zu laſſen, als Erſatz dagegen von der
Regierung die Rüſtung der ungeheuren und friſchen Volkskräfte zum
Kampf gegen den Abſolutismus verlangen. Und das war ziemlich
im Zuge. Ich habe, eh' es bei uns losging, nicht in den Bierkneipen
gewühlt, ſondern in gebildeteren Kreiſen; — alles betrachtete Preu⸗
ßen als unſern natürlichen Feind, — und im Bund mit Württem⸗
berg, Heſſen, pp. hätten wir mit den Pickelhauben noch ein Wort
reden können.
Statt deſſen kommen unſere bornierten Volksvereine, die ſich all⸗
mählich in einen verſimpelten Haß gegen das Miniſterium Bekk
hineingeſteigert hatten, und beuten die zum Feuer nach außen an⸗
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