Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 89
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II. Biographiſches. 89

badiſchen Unterland, Bezirksamts Boxberg, unweit Ballenberg und
Krautheim. Sein Vater Auguſt Dietz war dort Pfarrer und wurde
ſpäter nach dem benachbarten Sindolsheim verſetzt, welches die Frei⸗
herren von Rüdt⸗Collenberg ehemals als kurmainziſches Lehen be⸗
ſaßen. Mittelalterliche Erinnerungen guter und böſer Art, wie ſie
noch mannigfach in jenen wegen ſeiner vielen „Bückel“ bekannten
Gegenden des ehemals pfälziſchen und ſehr feudalen „Baulandes“
fortleben, und das von außen in den Frieden des Pfarrhofes mächtig
hereinſchlagende Kriegsgetöſe der weltgeſchichtlichen Jahre 1813 bis
1815 mit dem Nachſpiel der Marodeure und Räuber, „des Hölzerlips
und des Wildbretdiebs grauſigen Andenkens“, mögen manchen frü⸗
hen Eindruck unbewußt in des Kindes Gemüt geſenkt und einen Zug
zum Düſtern, Pathetiſchen, Romantiſchen bei aller Friſche und Le⸗
bendigkeit der Anſchauung entwickelt haben. Die Sindolsheimer Kna⸗
benjahre blieben unvergeſſen. „Vor vierzig Jahren,“ ſo erzählt
der Meiſter ſelbſt, als er 1866 als Vertrauensmann von Würzburg
heimkehrend, ſeinen Lieblingswunſch, die Jugendheimat wiederzu⸗
ſehen, in rührender Weiſe erfüllt hatte (ſ. Berichte an den badi⸗
ſchen Frauenverein 1866, Karlsruhe. Müller), „war ich von dieſem
ſtillen Orte hinausgegangen in die weite Welt, in den Kampf des
Lebens, der nicht der leichteſte für mich werden ſollte. Ich habe Län⸗
der und Städte und große Verhältniſſe geſehen, aber das kleine Sin⸗
dolsheim habe ich nie vergeſſen. Oft in den Stunden der Nacht, in
jenen langen, ſchlafloſen Stunden des Leidens und der Sorge, habe
ich die Qual'der Gedanken abgeſchüttelt, wenn ich mich in die Er⸗
innerung an Sindolsheim verſenkte. Im Geiſt wandelte ich wieder
durch jene Wieſen und Wälder, und die traumhaften Blicke in die
Vergangenheit waren ſo treu, daß ich die Häuſer des Dorfes, die
Steine am Wege und die Bäume des Feldes zählen konnte; der
Mann ſog oftmals Troſt und Ruhe aus dieſen Schattenbildern der
Knabenzeit und der längſt verlaſſenen Heimat.“
Nach des Vaters Tode zog die Witwe, Frau Luiſe geb. Obermüller,
mit dem Sohn nach Karlsruhe, um ihm gute Schulbildung zu er⸗
möglichen. Entſchiedener Neigung zum Kriegerſtand mißriet der
damals vorausſichtlich auf lang geſicherte Weltfriede; ſo ward er,
zum Ingenieur beſtimmt, von 1827—1832 dem Polytechnikum an⸗
vertraut. In frühen Entwürfen und Kompoſitionen trat Talent zur
Malerei überwiegend hervor; die wenigen damals in Karlsruhe
wirkenden Künſtler: der aus kalmückiſchem Stamm geborene, von der
ruſſiſchen Kaiſerin als Knabe der Erbprinzeſſin Amalie von Baden


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