Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 90
(PDF, 47 MB)
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90 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

geſchenkte Figurenmaler Feodor JIwanowitſch, und die tüchtigen
Tiermaler Galeriedirektor Karl Kuntz und ſein Sohn Hofmaler Ru⸗
dolph Kuntz munterten auf; gewiſſenhaftem Unterricht der letzteren
verdankte der Schüler, der übrigens ſchon zu Sindolsheim „den
Kirchenrain ſo oft auf ſeines Vaters altem Rappen im Galopp er⸗
klommen“, die ſpäteren Schlachtenbildern ſehr zuſtatten kommen⸗
den vortrefflichen Pferdeſtudien. In jene Zeit mag auch die, wohl
dem Lehrer Feodor zuliebe vorgenommene kleine Veränderung des
Vornamens Theodor in Feodor fallen. Ein phantaſtiſcher erſter
Verſuch des angehenden Kunſtjüngers: „Graf Damas bei Quibéron,
das ſich bäumende Roß zum Sprung in die See antreibend“, er⸗
warb zwar Beifall, in Naglers Künſtlerlexikon aber das Prädikat
„abenteuerlich“.
Die Hof⸗ und Beamtenſtadt Karlsruhe war nicht der Ort, die
Ausbildung zum Maler zu vollenden. Im Jahre 1833 ging Dietz
nach München, um an der Akademie der Künſte weiter zu ſtudieren,
und beteiligte ſich bei der von Philipp Foltz geleiteten Ausſchmückung
des neuen Königsbaues durch enkauſtiſche Wandgemälde zu Bürgers
Gedichten in dem Serviceſaal der Königin, dem ſogenannten Bür⸗
gerſaal. G
Nach Vollendung dieſes Zyklus führte er ſich durch das größere
Staffeleibild: „Max Piccolominis Tod“ in den Kreis der älteren
Geſchichtsmaler als ebenbürtig ein. Alle gute, den Eigenſchaften des
Dichters nahe verwandte Begabung konnte in dieſem reifen Jugend⸗
werk wohlvereinigt zum Ausdruck gelangen: es war nicht einfach
eine Szene aus dem Treffen bei Jankau am 6. März 1645, wo
Oberſt Piccolomini an der Spitze ſeiner Panzerreiter wider die
Schweden fiel, ſondern in ideal erſonnener und möglichſt realiſtiſch
durchgeführter Geſtaltung die Illuſtration zu Schillers Bericht des
ſchwediſchen Hauptmanns:

„Von vorn und von den Flanken faßten wir
Sie jetzo mit der ganzen Reiterei
Und drängten ſie zurück zum Graben, wo
Das Fußvolk, ſchnell geordnet, einen Rechen
Von Piken ihnen ſtarr entgegenſtreckte.
Nicht vorwärts konnten ſie, auch nicht zurück,
Gekeilt in drangvoll fürchterliche Enge.
Da rief der Rheingraf ihrem Führer zu,
In guter Schlacht ſich ehrlich zu ergeben;


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