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II. Biographiſches. 91
Doch Oberſt Piccolomini — ihn machte
Der Helmbuſch kenntlich und das lange Haar —
Zum Graben winkt er — ſprengt, der erſte, ſelbſt
Sein edles Roß darüber weg, ihm ſtürzt
Das Regiment nach — doch — ſchon war's geſchehn.
Sein Pferd, von einer Partiſan durchſtoßen, bäumt
Sich wütend, ſchleudert weit den Reiter ab,
Und hoch weg über ihn geht die Gewalt
Der Roſſe, keinem Zügel mehr gehorchend.“
Wenn auch im Kolorit da und dort ſpröd und trocken, erregte das
in kleinem Format von 3 Fuß Höhe und 4 Fuß Breite gehaltene
Bild doch mit Recht Aufſehen; man erkannte „Menſchen und Pferde
großartig gezeichnet, das Koſtüm ſtudiert, doch nicht antiquariſch eng
begrenzt, die Pinſelführung keck“D. Das Kunſtblatt 1835, Nr. 63,
brachte nähere Beſprechung; für den Kunſtverein in München wurde
es um den mäßigen Preis von 35 Louisdor angekauft, für die Mit⸗
glieder des Kunſtvereins zu Karlsruhe als Vereinsblatt durch
Troendlin lithographiert. Nach der Verloſung in München erwarb
es der ihm ſehr wohlwollende Großherzog Leopold von dem Gewin⸗
ner für die Karlsruher Galerie und erteilte ſofort Auftrag zu Aus⸗
führung der Türkenſchlacht von Slankament, die dem Markgrafen
Ludwig von Baden den Kriegsnamen „Türkenlouis“ verſchafft hat.
— Daß der geſchichtliche Oberſt Piccolomini, deſſen Leiche in der
Stadtkirche von Nachod beigeſetzt, ruht, in minder poetiſcher Weiſe
ſein Leben einbüßte — er ward als verwundet Gefangener, um
ſeine Befreiung zu verhüten, von den Schweden niedergemacht —
iſt erſt in jüngſter Zeit durch Forſchungen des Freiherrn von Weyhe⸗
Encke im Nachoder Schloßarchiv bekannt geworden.
Dietz hielt ſich auch in einem folgenden, 5 Fuß 2 Zoll langen,
4 Fuß 2 Zoll breiten Bilde an Schillers Geſchichte des Dreißigjähri⸗
gen Krieges und ſtellte den Pappenheimer dar, wie er, mit ſeiner
Reiterſchar in die Lützener Schlacht einſprengend, vom tödlichen Blei
getroffen unweit der unerkannten Leiche des Schwedenkönigs vom
Roſſe ſinkt, ſo erſt vom Tode mit dem feindlichen Führer, dem im
Kampf lebend zu begegnen ſein Verlangen war, zuſammengeführt.
„So hinterbringe man denn dem Herzog von Friedland, daß ich
fröhlich dahinſcheide, da der unverſöhnliche Feind meines Glaubens
an einem Tage mit mir gefallen iſt.“ Der Ernſt des Gedankens
und die wildbewegte Romantik der Darſtellung erwarben auch die⸗
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