Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 93
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II. Biographiſches. 93

Opfertod der vierhundert Pforzheimer“, ein an bedeutſamen Grup⸗
pen reiches Schlachtfeldbild, in deſſen Vordergrund der greiſe Bür⸗
germeiſter, verwundet auf einer Partiſane getragen, durch die Kunde
von der Rettung ſeines Markgrafen ſich und die Sterbenden tröſtet.
Der Katalog hat dieſes mehr der patriotiſchen Sagenbildung als der
Geſchichte angehörende Motiv auf die einfachere Bezeichnung: „Das
weiße Regiment in der Schlacht bei Wimpfen“ zurückgeführt.
Eine andere „Szene aus dem Dreißigjährigen Krieg“, welche in
freier Behandlung das Getümmel vordringender Reiterſcharen in
großer Landſchaft darſtellt, während von einem Kirchhof im Vorder⸗
grund eine geflüchtete vornehme Familie auf den Brand von Burg
und Stadt und die jenſeits des Stromes wogende Feldſchlacht und
den flammenroten Himmel ernſtbekümmert hinüberſchaut, erwarb
ſich durch ihre zugleich poetiſche und maleriſche Wirkung viel Beifall
und wurde vom Karlsruher Kunſtverein für ſeine bleibenden Samm⸗
lungen um 1800 fl. angekauft.
Das Jahr 1848 führte den Künſtler aus der Stille des Ateliers
in das laute Kriegsgewühl. In Wehr und Waffen des Münchener
Künſtlerfreikorps folgte er während der ſchleswig⸗holſteiniſchen
Kämpfe den deutſchen Fahnen und teilte von dem erſten Auflodern
der Begeiſterung, als unter Kuno Rantzau, Braklow, Jenſſen⸗Tuſch
die Freiwilligen auszogen, bis zu dem bedächtig geführten Reichs⸗
krieg des Frühjahrs 1849 erſt als Mitkämpfer im von der Tannſchen
Korps, dann im Generalſtab des Herzogs von Koburg die von hoher
Siegeszuverſicht bis zu tiefer Niedergeſchlagenheit wechſelnden Ein⸗
drücke jener Zeit. „Am 16. Mai 1848 Abreiſe von München. Viel
Liebes verlaſſen. Mein Säbel mein Troſt“ ſteht mit verblaßter
Schrift in ſeinem damaligen Skizzenbüchlein.
Mit dem Blick des Malers hat er in ausführlicheren Aufzeichnun⸗
gen jene nordiſchen Landſchaften geſchildert: „den ſüdlich milden Reiz
der Oſtküſte mit den flußähnlichen Meeresarmen, den belebten Ha⸗
fenſtädten, den ruhig⸗tiefen Ankergründen, den mächtigen ſaftgrünen
Hochwäldern, welche als Urbilder kräftiger Baumesſchönheit die in
ſanften Linien nach der See abfallenden Höhen krönen, ihre Mäch⸗
tigkeit an den Ufern oft noch vermehrend, ſo daß die letzten Buchen
ihre Wurzeln in den Wellen baden, wie Gebilde dieſes Elementes aus
dem Meere aufſteigend“ — ſodann die entgegengeſetzten Erſcheinun⸗
gen der Weſtküſte, „rauhe Lüfte, Dunſt und Nebel, Stürme und
Springfluten, Meer und Land im Streit, Feſtland, das Inſel zu
werden droht, wie die Halligen, Inſeln, die Feſtland waren, wie


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