Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 94
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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94 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

Amron, Foehr, Sylt, und auf den durch zähe Dammarbeit ge⸗
feſtigten fetten Marſchen, die ihren Errettern die Mühen des Dei⸗
chens in hohen Zinſen heimzahlen, ein kampfbereiter, muskel⸗ und
willensſtarker Menſchenſchlag, die Frieſen“ — ſchließlich, als dritten
Strich von beſonderer Art, jene „Zunge tiefen Sandes, die von der
Lüneburger Heide fort ſich ſtreckt gegen Norden und von der Elbe
durchſchnitten die ganze Halbinſel durchſetzt bis zu Jütlands äußerſter
Spitze Skagen. Der braune Heideboden mit ſeinen roten Erikablüten
und gelben Ginſterſträuchern, die Stille der Föhrenwälder, nur durch
des Hähers Ruf unterbrochen, ſeitwärts ein Hünengrab, über welches
Wolkenſchatten dahinziehen, oder ein Hügel mit erratiſchen Blöcken:
wer dort nicht wohnen, leben, bauen und erwerben muß, den mutet
dies Land poetiſch an, wenn er es zu Pferde durchſtreift. Es hat
Stimmung, wie wir Maler ſagen, Stil. Anders freilich urteilt, wer
Unterkommen und Nahrung verlangt, und ſüddeutſche Landsleute,
die in den Grenzdiſtrikten der Heide, bei Wilſter und Drage im
Quartier lagen, wollten vermeinen, ihr ſchwarzes Roggenbrot ſei
eher aus dem Torfmoor geſtochen, als vom Bäcker gebacken.“
Ein Aquarell des rühmlichen Gefechtes bei Hoptrup am 6. Juni
1848, — ein Album von neun Blättern verſchiedener Gefechts⸗ und
Lagerſzenen, ſodann ein großes, für den Herzog von Koburg aus⸗
geführtes Bild: „Der Strandkampf vor Eckernförde am 5. April
1849 gegen die däniſchen Linienſchiffe „Gefion“ und „Chriſtian
VIII.“ — aber auch eine namhafte Mißſtimmung über die ſpätere
Zeit „fremder Einmiſchung und diplomatiſcher Rätſel“ waren die
Früchte ſeiner ſchleswig⸗holſteiniſchen Erlebniſſe.
Als Rückſchlag ſolcher Verſtimmung mag auch betrachtet werden,
daß er den Stoff zu ſeiner nächſten Arbeit nicht der vaterländiſchen
Geſchichte entnahm und 1853 nach dem Gedicht von Zedlitz die
„nächtliche Heerſchau“ malte — übrigens nicht, wie man ihm vor⸗
warf, als Apotheoſe Napoleons I., ſondern aus eigener, ſympathiſcher
Neigung zu Phantaſtiſchem, Geſpenſtigem und dem entſprechenden
nächtigen Farbenzauber. „Wer tut, muß leiden“, der alte Spruch
ging bei dieſem Werk reichlich in Erfüllung. Zu ſpät zur Pariſer
Ausſtellung eingetroffen, wurde das vielfach mißkannte Bild an⸗
fänglich zurückgewieſen, dann auf Befehl beſonders ausgeſtellt und
von Napoleon III. angekauft, der Kaufpreis aber dem Künſtler erſt,
als er in Paris ſeine Angelegenheit perſönlich betrieb, und nach
namhaften Abzügen für Beamte der kaiſerlichen Hofverwaltung end⸗
gültig ausbezahlt.


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