Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 97
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II. Biographiſches. 97

Offiziere brachten ihre Damen, Friſeure, Köche, Komödianten uſw.
in einer ungeheuren Menge von Equipagen mit. Man dachte ſich
den Zug gegen den Marquis von Brandenburg als eine leichte Sache
und hoffte eine angenehme Promenade nach Berlin zu machen, einen
„train de plaisir“ jener Zeit. Aber ſchon bei Gotha und einige
Tage ſpäter bei Roßbach ſetzte Friedrich der Große dieſen Erwar⸗
tungen ein raſches Ziel. Innerhalb zweier Stunden war die ganze
franzöſiſche Armee auseinandergeſprengt und ſuchte ihr Heil in
ſchleunigſter Flucht.
Die nachhauenden preußiſchen Huſaren machten glänzende Beute.
Sie ereilten unter anderem die fliehenden Karoſſen, wobei die er⸗
götzlichſten Szenen vorkamen, zugleich lief das Feld voll Haſen. Die
Mehrzahl der Franzoſen floh ſo ſchnell, daß ſie nicht eingeholt wer⸗
den konnten; viele machten erſt Halt, als ſie den Rhein erreicht hat⸗
ten; ſtets glaubten ſie noch die preußiſchen Huſaren hinter ſich.“
Und dieſe Huſaren, dieſe wie Sturmwindbraus die franzöſiſchen
Hofkaroſſen mit ihrem zweideutigen männlichen, weiblichen und affi⸗
gen Inhalt überreitenden Schwadronen, wie Dietz ſie gemalt, ſind
die flotten, echten Seydlitzſchen Reiter, wie das Lied ſie beſungen hat:

Bald tanzen die Franzoſen,
Denn Seydlitz will zu Ball,
Die gelben Lederhoſen
Sie ſitzen drum ſo prall;
Schwarz glänzen Hut und Krempe
Im Sonnenſchein zumal,
Und gar die blanke Plempe
Blitzt ſelbſt wie Sonnenſtrahl.

Mit Recht wurde dieſe luſtige Schlacht 1866 auf der Akademie⸗Aus⸗
ſtellung in Berlin „wegen ihrer lichtvollen Kompoſition und des in
ihr waltenden friſchen Zuges“ rühmend erwähnt. (S. Lützow Zeit⸗
ſchrift I. 248.)
Hiemit mag das Verzeichnis ſeiner Bilder ſchließen. Er hat noch
manche andere gemalt, z. B. für das Maximilianeum in München ein
Olbild: „Die Erſtürmung von Belgrad“, anderes kam nach England,
auch die nun verbrannte Galerie der Stadt Straßburg enthielt Werke
ſeiner Hand. Die aufgezählten genügen, um die innere Anſchauung,
die ſein Schaffen leitete und ihn in dem nie ganz auszufechtenden
Streit zwiſchen Idealismus und Realismus in der Kunſt dazu führte,
Scheffel. X. 7


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