Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 99
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II. Biographiſches. 99

gefeierten Realismus, ohne die rettenden Taten, die ſeit Jahren in
ſo gewandter Dialektik angekündigt wurden, gelang es dieſer Aus⸗
ſtellung, die Aufmerkſamkeit der Beſten und Gebildetſten unſerer
Nation auf ſich zu ziehen und zu feſſeln. Über der Verſammlung lag
die feierliche Stimmung, die in hohen deutſchen Domen uns zu über⸗
kommen pflegt, und mancher ernſte Mann verließ mit naſſen Augen
den Glaspalaſt, als die Ausſtellung am Abend des 22. Oktober für
immer geſchloſſen wurde. Mehr kann man nicht verlangen; „wer da
nicht mitfühlen konnte — der ſtehle ſich aus unſerem Bund!“
Dieſe Worte, zugleich eine Probe, daß F. Dietz die Feder gewandt
wie den Pinſel zu handhaben verſtand, führen uns zu einer anderen
Seite ſeiner Begabung, der parlamentariſchen, agitatoriſchen, organi⸗
ſatoriſchen, lehrhaften. Schlagfertigkeit eleganter Rede, vielleicht ein
Erbteil der Kanzelberedſamkeit des Vaters, lebendig kolorierter, von
vielſeitigem Wiſſen getragener Vortrag und geſellig ſicheres Auf⸗
treten erwarben ihm eine hervorragende perſönliche Stellung in der
deutſchen Kunſtgenoſſenſchaft. Unabläſſig arbeitete er mit an deren
Organiſation „zu einem Verein deutſcher Männer, die in freier
Selbſtbeſtimmung die Aufgabe löſen wollen, die Entwicklung der deut⸗
ſchen Kunſt in nationaler Richtung zu fördern, die Bedeutung und
Ehre des Künſtlerſtandes nach allen Seiten zu wahren“. „Jetzt kann
es losgehen, der Dietz iſt da!“ rief man ſchon in den Zeiten des
Münchener Stubenvoll, wenn dort „meiſt in vorgerückter Stunde
der ſchwarzgelockte Mann im ſcharlachgefütterten Mantel auf der
Schwelle der vollen Stube erſchien“. Ganz kürzlich hat in der Wiener
Preſſe, Nr. 60 und 62, ein ſeinen Theorien übrigens wenig zu⸗
ſtimmender Freund, A. Teichlein, die Erinnerung jener lang ver⸗
ſchollenen, ſtrebſamen Tage des Münchener Kunſtlebens in den vier⸗
ziger Jahren wieder aufgefriſcht und ſein Bild ſkizziert: „nicht in
den Wolken einer Apotheoſe, ſondern in den Rauchwolken des alten
Stubenvoll, mitten in tumultuariſcher Verſammlung auf dem Stuhl
ſtehend, das Trinkhorn zu begeiſtertem Toaſt ſchwingend“. Dietz
ſelbſt hat in einem Aufſatz: „Künſtleriſche Charakterköpfe“, mit
eigenem Humor den der Genoſſen geſchildert. Den beim fünfzig⸗
jährigen Jubiläum der Münchener Akademie angeregten Gedanken
einer allgemeinen Ausſtellung hiſtoriſcher Kunſt Deutſchlands wußte
er gemeinſam mit wenigen Freunden praktiſch in das Leben zu rufen,
war perſönlich in Wien, um die Staatsanſtalten zur Teilnahme zu
bewegen, und durfte am 22. Juli 1858 bei der feierlichen Eröffnung
mit Recht betonen, daß auf Anregung des Komitee, deſſen Vorſitz er

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