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100 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
führte, die ſonſt wenig zu geſchäftsmäßiger Tätigkeit geſchulte Künſt⸗
lerſchaft Fähigkeiten entwickelt habe, die ihr ehemals fremd waren,
eine Tatkraft voll Selbſtverleugnung und perſönlicher Opfer.
Wie er ſpäter als Präſident die Verſammlungen und Vereinstage
der Kunſtgenoſſenſchaft zu leiten verſtand, iſt zahlreichen Beſuchern
der Feſte zu Köln und Salzburg, ſowie zu Braunſchweig, Antwerpen,
Weimar und Düſſeldorf in friſchem Gedächtnis.
In Aufſätzen und Eingaben war er für geſetzgeberiſche Feſtſtellung
richtiger Grundſätze über Schutz des künſtleriſchen Urheberrechts ge⸗
gen unbefugte Vervielfältigung tätig. Eine warnende Stimme zur
Wahrung materieller Intereſſen und Proteſt gegen die Einfuhr
„marktläufiger franzöſiſcher Kunſt“ erhob er 1862 in mehreren
Schriftſtücken wider den Handelsvertrag mit Frankreich. Die rei⸗
chen Wahrnehmungen, die er als badiſcher Kommiſſär auf der Welt⸗
ausſtellung in Paris 1867 machte, teilte er in einer Reihe von Vor⸗
trägen „über den Völkergeſchmack“ einem größeren Publikum mit.
Die wichtige Frage des Verhältniſſes der bildenden Künſte zum
Kunſtgewerbe hat ihn in den letzten Jahren vielfach beſchäftigt und
zu Vorſchlägen der Umgeſtaltung der ſeitherigen Kunſtſchulen in
„Hochſchulen der Induſtrie“ veranlaßt. Eine nahe Zukunft wird
die Eingliederung richtiger Kunſtgewerbelehrer in die vorhandenen
ſtaatlichen Lehranſtalten kaum mehr umgehen dürfen, ſchwerlich aber
die neuen Lehrer ausſchließlich aus den Reihen der Maler wählen.
Wer heute das geräumige Atelier Nummer 16 der Karlsruher
Kunſtſchule betritt, wandelt unter dem von ſachverſtändiger Freun⸗
deshand geordneten Nachlaß des Verſtorbenen. Hier ſchauen von
den Wänden die großen Kartons bayeriſcher Reiterſchlachten, dort
des Marſchalls Vorwärts und ſeiner Landwehr Rheinübergang bei
Caub; Farbenſkizzen geben Kunde von ausgeführten wie von der
Zukunft vorbehaltenen Entwürfen: hier wildes Pferdegetümmel,
Prärieroſſe, vor einem Waldbrand flüchtend, dort Untergang eines
deutſchen Stammes im Kampf gegen die Römer; hier ein vom
Pferd geſunkener Guſtav Adolph, über den ein jugendlicher blonder
Offizier wehklagend ſich beugt, dort in grünweißfahlem Mondenlicht
die nächtliche Heerſchau und auf den Schall des Trompeters die
Geiſter der Erſchlagenen wie Seelennebel aufwärts wallend.. . So
gut wie vollendet ſteht auf der Staffelei ein auf mythiſche Urzeit
zurückweiſendes Bild: „Pfahlbaubewohner zu Schiff im Kampf mit
Bären, deren Junge ſie erbeutet haben“. Dazwiſchen Studienköpfe
von Kriegsmännern, Heidelberger Bürgersleute die im großen
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