Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 101
(PDF, 47 MB)
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II. Biographiſches. L 101

Melacbilde verwertet ſind, Porträts für photographiſche Wieder⸗
gabe, auch das ſchmucke Reiterbild des jugendlichen Königs Lud⸗
wig II. von Bayern, — Skizzenbücher und was ſonſt in eines
Hiſtorienmalers Atelier gehört.
Aber die Farben im Farbkaſten ſind vertrocknet, die Paletten leer,
und vergeblich harren die Partiſanen und Radſchloßflinten und roſti⸗
gen Gewaffen der Panzerreiter des Dreißigjährigen Krieges, die
Eiſenhauben, Küraſſe und Korbdegen des Meiſters, der „ſeine Pap⸗
penheimer kannte“.
Wie oft iſt er hier von der Staffelei weg den Beſuchenden ent⸗
gegengetreten, eine ſtattlich ſchöne Erſcheinung, ſoldatiſch Strammes
und künſtleriſch Bewegliches vereinend, hoher Stirn, blitzenden Auges
unter buſchigen Brauen, das ſonſt glänzend ſchwarze Haupt⸗ und
Barthaar leicht ergraut — allezeit liebenswürdig, anregend, dienſt⸗
willig als Lehrer, hilfsbereit in Not, den Freunden ein taktvoller
Freund, dem Vaterland ein ritterlich ergebener Sohn, in des gan⸗
zen Lebens Führung ein Ehrenmann!
Nun ruht er im Frieden Gottes von den Fehden und Kämpfen,
wie Künſtlers Erdenwallen ſie brachte und wie ſchöpferiſche Phantaſie
ſie zu malen, äſthetiſcher Prinzipientrotz mit der Feder ſie auszu⸗
fechten ihn zwang. Es war ihm nicht mehr vergönnt, das große
Sieges⸗ und Friedensfeſt dieſer Märztage mitzufeiern.
„Die Engel des Lebens, meine Ideale, habe ich ſie erreicht? habe
ich erreicht, was ich hier gelobt, was ich hier erhofft?“ alſo frug ſich
einſt 1866 der ergrauende Mann, als ihn nach vierzig Jahren
ahnungsvolle Sehnſucht nächtig in die Dorfkirche von Sindolsheim
zurückgeführt hatte, wo die Grabmale der Collenberg mit weißem
Schein aus dem Schatten hervortraten und der Altar mit ſeinen
kleinen Engeln ihn der Tage erinnerte, da er jene Engel herab⸗
genommen und als Kind auf den Armen gewiegt hatte. In des
Todes Verklärung und in jener nächtlichen Heerſchau, die ein Ge⸗
waltigerer abhält, als alle, die Menſchenhand zu malen vermag,
wird nun des Fragenden kampfmüder Seele die Antwort auf die
Rätſel unſerer Zeitlichkeit. Die überlebenden aber dürfen vor ſeinen
Werken deſſen eingedenk ſein, was er ſelbſt 1858 auf der großen
Ausſtellung zu München von den Werken der Vorangegangenen
ſagte:
„Das Ringen der Väter iſt kein vergebliches, ihre Arbeit erleichtert
die der Enkel, die Mühe und Sorge ihres Erdenwallens hinterläßt
ein unvergängliches Erbe: es iſt das unſere, und wir, wir wiſſen,


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