Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 103
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II. Biographiſches. 103

Woher kommt der ungeheure Anklang, den die Bilder der belgiſchen
Maler erſt vor kurzem auch außerhalb der Grenzen ihres Vater⸗
landes gefunden haben?
Gewiß nur daher, daß ſie durch den Inhalt ihrer Darſtellungen
recht warm und unmittelbar zum Volksbewußtſein ſprechen, daß
ſie das Wort Herweghs an den Dichter:

„Greif, Sänger, wieder in den eignen Buſen,
In deines eignen teuren Volks Geſchichte,
Da oder nirgends wohnen deine Muſen.“

auch als richtige Norm für den Maler unſerer Zeit gefunden und in
der eigentlichen Hiſtorienmalerei das Feld erkannt haben, auf wel⸗
chem die höchſten Außerungen des menſchlichen Geiſtes durch die Tat
auftreten, in welchem alſo auch der Stoff geſucht werden muß für
eine Kunſt, die ihrer hohen Beſtimmung, mitzuarbeiten an der
geiſtigen Verwirklichung eines Volks und der Menſchheit, eingedenk
bleibt.
Doch iſt auch in der deutſchen Kunſt längſt dieſelbe Erkenntnis
erwacht und hat, ohne fremdländiſcher Anregung zu bedürfen, mit
der tiefen Innigkeit und Gediegenheit, die dem Deutſchen eigen
iſt, den Schatz, der in unſerer Geſchichte für den Künſtler verborgen
liegt, gehoben.
Die deutſche Heldenſage, die bedeutendſten Momente unſerer mit⸗
telalterlichen Geſchichte, Karl der Große wie die Hohenſtaufen haben
ihre Darſteller gefunden; ebenſo hat ſich die Kunſt den Kämpfen der
neuen Zeit zugewendet und in den Männern, die den Proteſtantis⸗
mus in Kirchenverſammlungen und Hörſälen wie auf dem Schlacht⸗
feld verfochten, würdige Geſtalten entdeckt.
In den Künſtlern, die auf dieſem Boden ſtehend, der deutſchen
Geſchichte ihre Kräfte geweiht haben, dürfen wir recht eigentlich
diejenigen begrüßen, die durch ihre Werke mitarbeiten an der Bil⸗
dung und Erhebung des Volks; — wenn uns die Tendenz von Over⸗
beck und zum Teil ſelbſt von Cornelius an eine unſerm Bewußtſein
fremde Sphäre mahnt, und darum kalt läßt, ſo ſprechen dagegen
die Werke von Schnorr, P. Heß, Leſſing recht warm und tat⸗
kräftig zum Herzen des Schauenden und bedürfen keines Kom⸗
mentars, um ihres Eindrucks ſicher zu ſein.
Es darf uns gewiß freuen, daß auch unſer Partikularvaterland
Baden unter dieſen Meiſtern der Hiſtorienmalerei vertreten iſt; —
unſer wackerer Landsmann F. Dietz, deſſen erſtes Bild, Max Piccolo⸗


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