Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 108
(PDF, 47 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0108
108 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

Das Licht iſt auf wohltuende Weiſe im Raume verteilt; der
Vordergrund iſt dunkel und durchaus ſchattig gehalten, ſo daß das
Gewirr von erſchlagenen Menſchen und Roſſen nicht allzu ſtark her⸗
vortritt und die Einheit nicht ſtört; auf die Hauptgruppe aber um
den ſterbenden Bürgermeiſter fällt das Licht der untergehenden Sonne
mit ſchlagender Wirkung, ohne daß jedoch der Effekt grell oder ge⸗
ſucht erſcheint. L .
Der Vortrag des Pinſels iſt breit und gediegen. Was alle Aner⸗
kennung verdient, iſt das bis ins einzelnſte durchgeführte genaue
Studium des Koſtüms der Zeit, deren Waffentracht ſo maleriſch von
der heutigen abſticht. — Ob die landſchaftliche Fernſicht vom Schlacht⸗
felde nach dem Neckar hin nicht etwas unperſpektiviſch und im Tone
zu wenig zurückweichend ſei, darüber wollen wir mit dem Künſtler
nicht weiter rechten, ſondern wir ſchließen unſere flüchtige Betrach⸗
tung mit dem Wunſch, daß unſere Akademie, die ſchon ſo manches
Kunſtkleinod von den Händen badiſcher Maler beſitzt, bald wieder
durch ein Werk unſeres genialen Meiſters einen wertvollen Zuwachs
erhalten möge, ſei es, daß er uns wieder in ſeiner Darſtellung an
die nächſte militäriſche Vergangenheit erinnere, die freilich mehr
Stoff für das Gefühl und den patriotiſchen Anteil Einzelner, als für
den allgemeinen Schönheitsſinn bietet, — ſei es, daß er uns wieder
in jene Zeiten zurückverſetze, in welchen die 400 Pforzheimer fie⸗
len und in welchen die Phantaſie und künſtleriſche Energie unſeres
Landsmannes doch vorzugsweiſe heimiſch zu ſein ſcheint.

2. Zur Erinnerung an Julius Braun.

An einem Januartage des Jahrs 1850 ſtand auf der Platt⸗
form der erſten Pyramide von Gizeh, zu deren Spitze er ſich mit
hohen Kletterſchritten emporgeſchwungen, ein jugendlicher blonder
deutſcher Gelehrter und ſchaute hinab auf das von frühem Frühling
beſonnte Niltal und den fahlen Wüſtenrand, auf den Palmenwald
von Memphis und das licht herüberglänzende Kairo. Die Gedan⸗
ken aber flogen wie Schwalben zu ſeinen Freunden, den deutſchen
Künſtlern in Rom .. . ihnen zu Gruß und Lebenszeichen ſchoß er
ſeine Piſtolen ab, brachte vor kopfſchüttelnden arabiſchen Begleitern
eine Libation dar, und ſann ein Gedicht aus, das ſeinen Weg zu
den Landsleuten nicht verfehlt hat.


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