Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 118
(PDF, 47 MB)
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118 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

und Stromkarten, Stadtplänen, Tempelgrundriſſen, Grabdenkmalen
und Hieroglyphenreihen, Keilſchriften und Flügelſtieren, Säulen⸗
ſtellungen und Kapitälformen. Spätere, glücklicher dotierte, Lehrer
werden mit Hunderten von großen Photographien das tun, was
Julius Braun, um das Wort mit dem Bilde zu ergänzen, in primi⸗
tiver Weiſe ſelbſt zeichnend zu tun genötigt war. Echtes Lebens⸗
glück ward ihm 1860 durch ſeine Verbindung mit einer durch ſeltene
Eigenſchaften ausgezeichneten Tochter der fröhlichen Pfalz. Scherz⸗
haft ſagten die Freunde ihm nach, daß er in ſechs Fuß hoher
Hieroglyphenſchrift, mit dem Königsring umfangen, den Namen
der Braut in die Felswand beim Rieſenſtein eingegraben. Wie ſich
Archäologie und Herzensneigung zu liebenswürdiger Poeſie zu ge⸗
ſtalten vermögen, davon geben zahlreiche Lieder Kunde, einſt des
Bücherſchreibens heitere Unterbrechung, jetzt ein Schatz der Erin⸗
nerung. Ehrenvollem Ruf zur Übernahme einer Profeſſur an der
Hochſchule Tübingen leiſtete er 1860 Folge, ward aber in dortigen
Verhältniſſen nicht heimiſch und fühlte ſeine Lehrtätigkeit einge⸗
engt. Günſtigeren Boden gewährte München, wo in fleißigen Ar⸗
beitsjahren ſich ein inhaltsreiches Leben geſtaltete. Mannigfache
Beziehungen knüpften ihn an die Künſtler, wie ehemals in Rom,
und ein großer Kreis der Beſten unter Dichtern und Gelehrten war
mit ihm in freundſchaftlichem Verkehr. 1865 weilte er wieder in
Italien, ſah mit freudiger Rührung die alten Freunde in Rom
wieder und zeigte der mit freundlichem Verſtändnis ihm folgenden
Gattin alles Schöne und Große mit Begeiſterung. Leider unter⸗
ließen die Scheidenden aus Fontana Trevi zu trinken. Eine Freude
war ihm die gnädigſt erlaubte Lehrtätigkeit an der Akademie der
Künſte. In der Hoffnung, bald feſte Stellung zur Akademie zu
gewinnen, hatte er ſich dazu erboten. Es war eine mehr als be⸗
ſcheidene Stellung, nichtsdeſtoweniger freute der friſche Wirkungs⸗
kreis, und ſeine Zuhörer waren mit Recht für ihn eingenommen.
Alljährliche Erholung gewährte die Sommerfriſche am Starnberger
See; eigentlich auszuruhen vermochte der feuereifrige Geiſt nicht.
Buch folgte auf Buch; je weniger Dank und Anerkennung die
ſpröde Welt ihm entgegenbrachte, deſto unermüdlicher beſchenkte er
ſie mit Gaben ſeines Wiſſens. Aber auch den von Asbeſt gewobenen
Docht einer Lebenslampe verzehrt allzu lodernde Glut. Immer
weitere Perſpektiven durch die Geiſtesgeſchichte der Menſchheit er⸗
öffneten ſich; er arbeitete mit unglaublicher Leidenſchaft, wie im
Fieber. Auf den Reiſen hatte keine Gefahr ſein Leben geſchädigt,


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