Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 119
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II. Biographiſches. 119

im unterirdiſchen Grabpalaſt des Königs Sethi, Seſoſtris' Vater,
war er, mit der Fackel einer Bilderwand entgegenſchreitend, tief in
eine Grabkammer hinabgeſtürzt, am Dirkelbach vor Theben in ſchar⸗
fem Handgemeng mit groben Böotiern geſtanden; dort hatte des
Landmannes Grieſinger in Kairo Heilkunde, hier die perſönliche
Tapferkeit geholfen ... nun brachte das eigene Schaffen dem An⸗
geſtrengten frühen Tod. Den Schleier des verhüllten Bildes der
Neith von Sais hatte er zu lüften geſtrebt; Typhon der Böſe be⸗
rührte den Kühnen. Im April d. J. begann eine Krankheit, im
Juni ſchien ſie beendigt, ſo daß er mit der ihn treulich pflegenden
Gattin nach Bernried überſiedeln konnte; am 4. Juli ſtellte ſich er⸗
neutes Fieber ein, daß er nach München zurück mußte. Am 22. Juli
ſchloß er die Augen, vierundvierzig Jahre alt, noch in den letzten
Lebensſtunden mit ſeinem glücklich vollendeten letzten Buche be⸗
ſchäftigt; nach den Korrekturbogen auf der Decke ſeines Schmerzens⸗
lagers hatten die zitternden Hände getaſtet, mit ſchmerzlichem Lächeln
ſah er ihnen das Blatt entſinken...
Der Schwerpunkt von Julius Brauns Leben und Lehre ruht in
ſeinen Büchern. Von dieſen, da ſie ein zuſammenhängendes Ganzes
bilden und nicht gewürdigt ſind, wie ſie es verdienen, iſt nun im
beſondern zu ſprechen.
Das Erſtlingswerk, womit ſich der angehende Dozent in die wiſ⸗
ſenſchaftliche Welt einführte, waren die „Studien und Skizzen aus
den Ländern der alten Kultur. Mannheim 1854“. Frei, ohne Ballaſt
von Zitaten und Anmerkungen, rollte ſich ein reiches Bild von
Agypten und deſſen Einfluß auf die Religion Homers und Heſiods,
von Aſien und den aſiatiſch⸗ägyptiſchen Wirkungen auf die Archi⸗
tektur des ſog. doriſchen und ioniſchen Stils, von Hellas, Etrurien
und den Denkmälern der ewigen Roma auf... Quvertür und Pro⸗
gramm der ſpäteren Leiſtungen, zugleich eine Charakterſpiegelung
des Verfaſſers, der ſeine Philologie nicht als Buchſtabenklitterung,
ſeine Denkmalkunde nicht als monographiſch auszubeutenden Scher⸗
benberg und ſein Altertum nicht als Mumienkram, ſondern als
inventus mundi, als ſonnigen Morgen der Menſchheit, mit zukunft⸗
ausfüllenden Gedanken auffaßte. Nirgends über Gebühr ſich auf⸗
haltend, den Blick auf das Große und Ganze richtend, die Form
künſtleriſch meiſternd, umriß er mit Strichen des Malers die Land⸗
ſchaft, mit dem ſichern Maß des Architekten die Architektur. Wir
heben aufs Geratewohl eine ſiziliſche Schilderung hervor, Illuſtration
in Worten zu Rottmanns Arkadenbild:


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