Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 120
(PDF, 47 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0120
120 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

„Vom Theater zu Segeſta ſehen wir das nördliche Meer, und
wenn wir das unbewohnte Tal verlaſſen haben, durch den reiz⸗
vollſten Hohlweg zwiſchen Kaktusſtämmen und Aloeſtauden, ſo ſeben
wir am Abend noch das ſüdliche Meer an dieſem Weſtende der Inſel.
Dort unten lag Selinunt. Wir erreichen es beim Trümmerſturz
ſeines größten Tempels. Einen ſo furchtbaren Anblick bietet kein
anderer Einſturz mehr. Das hat ein Erdbeben in ſich ſelbſt zu⸗
ſammengeknirſcht. Nur eine einzige Säule, ohne Kapitäl, faſt
kegelförmig, ſteht noch aufrecht aus der Maſſe ungeheurer Blöcke,
die ſich wild übereinander türmen, Architrave, Kapitäle, Säulen⸗
trommeln, die mit ihren geraden oder runden Kanten nach allen
Richtungen gen Himmel ſtarren. Es iſt lebensgefährlich, darauf zu
klettern, weil dichtes Geſtrüpp aus allen Löchern wuchert, ſo daß
man nie weiß, ob man zwei Fuß oder zwölf Fuß tief tritt. Mag
auch ein gutes Gewürm im Sommer drunter niſten. Alle Kanten
ſind ſcharf, unverſehrt, wie neu — der Tempel war unvollendet,
und dieſe Säulentrommeln haben erſt teilweiſe ihre Hohlſtreifen. Es
ſind die koloſſalſten Säulen geweſen, zu denen das griechiſche Alter⸗
tum ſich aufſchwang — wenn ich vor dem Durchmeſſer einer herab⸗
gerollten Trommel ſtehe, ſo kann ich den oberen Rand der Rundung
nicht erreichen. Sie meſſen zehn Fuß, faſt das Doppelte der Par⸗
thenon⸗Säule, die doch auch keine Kleinigkeit iſt. Demütig wird
man vor der Menſchenkraft, die das getürmt, und vor der Natur⸗
kraft, die das zuſammengequetſcht. Wir können faſt die einzelnen
Stöße unterſcheiden — hier dieſe Säule, die ſich in ihre Trommeln
gebrochen über den zwanzig Fuß hohen Sturz der andern hinüber⸗
legt, ſie hat offenbar zuletzt, langſam und mit Anſtand ſterbend,
ihr Kapitäl rückwärts geſenkt.“
Was die „Studien und Skizzen“ mit Grazie angedeutet, erhielt
nun Ausführung in die Weite und Tiefe. 1856 erſchien: „Geſchichte
der Kunſt in ihrem Entwicklungsgang durch alle Völker der alten
Welt hindurch auf dem Boden der Ortskunde nachgewieſen. Erſter
Band: Das Niltal und Meſopotamien, Babnlon, Niniveh, mit den
Nebenländern Armenien, Medien, Perſien, Syrien, Paläſtina, Ara⸗
bien und die phönikiſchen Küſten mit Cypern und Karthago. 1858
Zweiter Band: Kleinaſien und die helleniſche Welt.“
In der Ausarbeitung verſchoben blieb ein dritter Band, Etrurien
und Rom begreifend, da dem Verfaſſer die Erledigung ſeiner wiſ⸗
ſenſchaftlich wichtigſten und ſchwerſten Pläne in erſter Linie am
Herzen lag.


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