Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 122
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122 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

päiſchen Norden, zu den Hebräern und Phönikern, wie nach Grie⸗
chenland und Italien.“
Seine Geſchichte der Denkmale der alten Welt wurde ihm ſo zur
Vorſtudie ſeiner Geſchichte der Ideen, die auf denſelben Wegen wie
die Formen der bildenden Kunſt durch die Welt gerückt ſind. „Es
ſind nur wenige Ideen, deren die Menſchheit überhaupt fähig iſt,
und die im älteſten Agypten ſchon vorhanden waren. Die AÄgyptier
ſind darum original, weil ſie nichts mehr vor ſich hatten, was ſie
kopieren konnten. Aus der ägyptiſchen Urſage, d. h. ihrer aus kos⸗
miſchen Begriffen geſtalteten Götterlehre und ihren ſagengeſchicht⸗
lichen Patriarchen oder Urkönigslegenden von Agathodämon, Kronos,
Oſiris, Typhon uſw., ſtammt der Sagenvorrat aller Völker und
hat nur durch allmähliche Verſchiebung jene mannigfaltigen Formen,
jene dankbaren Motive für die bildende Kunſt und Dichtung ge⸗
wonnen.“
Hiemit wird der Standpunkt jenes ägyptiſchen Prieſters wieder
eingenommen, der dem atheniſchen Touriſten Solon zugerufen: „O
Solon, Solon, was ſeid ihr Griechen für Kinder gegen uns“, und
wird nachdrücklich das Vorurteil bekämpft: Sprachgrenzen müßten
auch Ideengrenzen ſein, und die Völker indogermaniſcher Raſſe ſeien
durch unüberſteigliche Klüfte von denen ſemitiſcher Raſſe getrennt.
Einſt als jugendlicher Mittelmeerfahrer auf Rhodos die Stelle
beſichtigend, wo der von Schiller beſungene Kampf mit dem Dra⸗
chen ſtattfand, hatte ſich Julius Braun keineswegs bei Schiller und
der Chronik der Rhodiſer⸗Ritter als letzter Quelle beruhigt.
Er ſchlug ſeinen Diodor V, 58 nach und notierte: „Phorbas, Sohn
des Lapithes, iſt der Drachentöter, welchen die Rhodier in ihr
Land beriefen, daß er es von Schlangen befreie. Er empfing dort
Heroendienſt, und iſt mit der überwundenen Schlange im Stern⸗
bilde des Schlangenträgers zu ſehen.“ Die Sage von dieſem Dra⸗
chenmord hat ſich im Mittelalter auf die Inſel Kos verzogen (ſ.
Roß, Inſelreiſen III, 93), und kehrte nach Rhodos zurück, um ſich
an den hiſtoriſchen Großmeiſter Dieudonné de Gozon anzuhängen.

Wunderbarlich oft die Sage
Umzuſpringen ſich erlaubt,
Und um neu ſich feſtzuklammern,
Wählt ſie keck ein jünger Haupt.

Da die Lapithen⸗ und Kentaurenkämpfe eine Wiederholung der
ägyptiſchen Typhon⸗ und Kronoskämpfe ſind, ſo ſteckt richtig in


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