Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 123
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II. Biographiſches. 123

dem von Schiller geprieſenen demütig frommen Rittersmann der
altägyptiſche Sturm⸗ und Kriegsgott Typhon.
Dieſes Geſetz der Umformung und mythiſchen Verſchiebung nun
auf „etwa fünfzehnhundert Götter und Heroen, Göttinnen und He⸗
roenfrauen“ anzuwenden, und alle dahin zu ſortieren, wohin ſie
zurückſortiert gehören, war eine auf Erden freiwillig vollbrachte
Büßerarbeit, der Desinfektion des Augiasſtalles vergleichbar.
Ob die Aufgabe zweifelsohne gelöſt iſt, wird zu entſcheiden ſein,
wenn in ſpäteren Jahrzehnten Gleichbegabte mit gleicher Ausdauer
den hoffentlich bis dahin durch neue Entdeckungen vermehrten Ap⸗
parat einer Durchſicht unterziehen.
Einſtweilen glauben manche, welche die Methode J. Brauns als
ſolche nicht anſkrupulieren, die Sage Agyptens nicht als die Mutter,
ſondern nur als die ältere Schweſter der andern Sagen anſehen zu
dürfen. Es kommt für dieſe letzte Entſcheidung darauf an, welchen
Urſprungs die erſten Ägyptier ſelbſt waren, und ob der Weg von
Agypten nach Chaldäa zu dem behaupteten „hiſtoriſchen Weiter⸗
ſchub“ verwendet wurde.
Daß von Chaldäa aus Import an babyloniſchen Waren und Ideen
nach Europa ſtattfand, wird nicht mehr geleugnet. Wenn nun der
große Bel zu Babel, dieſer „Ordner der Welt und Urahn der Menſch⸗
heit“, wiewohl er dort ſeine Grabpyramide hatte, ein ägyptiſcher oder
mit ägyptiſchem Götterſtrahlenglanze geſchmückter Belus war, und
wenn der fiſchleibige Offenbarungsgott Oannes, von den Philiſtäern
als Dagon verehrt, desgleichen ſich als babyloniſch zugeſtutzter Nil⸗
gott erweiſen läßt, ſo dürfte Julius Braun mit ſeinen „wenigen Ideen,
deren die Menſchheit überhaupt fähig iſt,“ vollkommen recht behalten.
Ich enthalte mich der Abſtimmung, will aber nicht verſchweigen,
daß die germaniſche und ſkandinaviſche Archäologie von ſtarken Ah⸗
nungen heimgeſucht iſt: jener für Europas Urgeſchichte notwendige
„Urhausſchlüſſel, der alle Schlöſſer öffnet“, ruhe „weit hinten“
in Aſien oder am Nil verborgen.
Sicherlich iſt die ſog. Bronzezeit nicht das Erzeugnis vieler gleich⸗
zeitig aus eigenem Antrieb die Miſchung von Kupfer und Zinn
erfindenden Völker, ſondern des Bronzeſtreitbeils und des Bronze⸗
ſchwertes Guß wurde von einem ägyptiſchen oder phönikiſchen Mann
erfunden und die Waffe, den ſeitherigen überlegen, fand als Han⸗
delsartikel bald ihren Weg nach allen „Märkten der Heiden“. Ob
nun, wie Panſanias andeutet, dieſer Erzguß von den klugen Tem⸗
pelerbauern auf Samos, Rhökos und Theodoros den AÄAgyptern


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