Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 124
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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124 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

abgelauſcht und dem Handel ſamiſcher Schiffer, die im ſiebenten
Jahrhundert v. Chr. Tarteſſus in Spanien erreichten, einverleibt
worden, — oder noch viel früher, zur Zeit, da Hiram von Tyrus
als Meiſter im Erz von König Salomo die ehernen Geſtühle und
Keſſel goß — gleichviel, wo heutzutage der europäiſche Boden eines
jener eigentümlichen kurzgriffigen und kurzklingigen ehernen
Schwerter mit Edelroſt überzogen, wieder herausgibt — mag es
im Tempelſchutt des Jupiter Pöninus auf Sankt Bernhards Al⸗
penhöhen ausgeſchaufelt, oder aus einer Pfahlbauſtation der Weſt⸗
ſchweiz herausgefiſcht, mag es den Gräbern der Salzbergwerke von
Hallſtadt oder hoch in Skandinavien einem Hügel an den Dünen
entnommen ſein: überall gleicher Stoff und gleiche Form, überall
der Griff nicht volle 3 Zoll, manchmal nur 2“2“ meſſend, als be⸗
ſonderes Gußſtück mit Nägeln in die Randlöcher der Klinge ein⸗
gefeſtigt, mehr für Leute, die kleine feine Hände hatten wie ägypti⸗
ſche Mumien, weniger für altgermaniſche Bauernfäuſte paſſend...
überall ſemitiſche Tecchnik. — Mit Bronzewaffen und -Geſchmeiden
brachten jene Männer von Sidon und Tyrus, wo nach Jeſaias
„die Kaufleute Fürſten ſind und die Krämer die Herrlichſten im
Lande“, benebſt andern Bräuchen auch den Kult des Baal⸗Cham,
des großen Bel von Babel. Ein kegelförmiger Stein galt im Nor⸗
den als ſein Abbild, weiße Pferde waren ihm geheiligt. Es klingt
ſeltſam, iſt aber keineswegs unwahrſcheinlich, daß dereinſt bei Belſen
im württembergiſchen Steinlachtal, dort, wo jetzt das romaniſche
Kirchlein am Seitenportal noch die Sonnenzirkel der irländiſchen
Cairus und in der Wand die trichterförmige Offnung für Einfall
des Sonnenſtrahls aufweiſt (vgl. Th. Rupp, Aus der Vorzeit Reut⸗
lingens und ſeiner Umgegend. 1869 bei C. Mäcken), nicht minder
als bei den Steinpfeilern von Stonehenge in Wiltſhire und am
Steinmonument von Kivik in Schonen derſelbe „Herr der Welt und
Ewigkeit“ verehrt wurde, welcher ſeine Stufenpryamide in Altbabylon
hatte und in flammenumwobener Tempelburg thronte, das Kleid
glänzender als die Sonne und weißer als Schnee. Hiemit wären
die in Irland wie in Deutſchland, an der franzöſiſchen Mittelmeer⸗
küſte wie auf dem Berg Sorakte aufflammenden Sankt Johannis⸗ oder
Sunnwendfeuer — während Moſes ſeinen Iſraeliten verboten hat,
ihre Söhne und Töchter durch das Feuer gehen zu laſſen (V. Mo⸗
ſes 18, 10), — der Reſt des von Baalsprieſtern und Baalsdienern
mit Geſang und Tanz gepflogenen Laufens um die Altarfeuer. Hie⸗
mit wäre nicht nur dem helleniſchen Apollo, ſondern auch dem


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