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II. Biographiſches. L 125
keltiſchen Belenus und dem in der Mittſommernacht auf den Ber⸗
geshöhen verehrten vermeintlich „urgermaniſchen“ Phol, dem weißen
So Baldr, ſein ſemitiſcher Heimatſchein kulturpolizeilch richtig⸗
geſtellt.
Gleich ſeltſam klingt es und iſt nicht minder richtig, daß aus meck⸗
lenburgiſchen Erdhügeln und ſchonenſchen Seen Keſſelwagen von
Bronze gezogen wurden, deren Beſchreibung als ſalomoniſches Tem⸗
pelgefäß wir im erſten Buch der Könige wiederfinden (vgl. Liſch,
Jahrbücher des Vereins für mecklenburgiſche Geſchichte und Alter⸗
tumskunde IX und XXV). Und ſo wird es vielleicht manchen auf
ſein Nationalgetränk ſtolzen deutſchen Mann kränken und doch richtig
ſein, daß auch die Geheimniſſe der Bierbrauerei von Phönikiern nach
ägyptiſchen Rezepten dem europäiſchen Norden importiert ſind.
Der gelehrte Schwede Sven Nilsſon (Die Ureinwohner des ſkandi⸗
naviſchen Nordens. Hamburg 1866), am heimatlichen Runenſtein
von Kivik ſeinen Standpunkt nehmend und von da behutſam wei⸗
terſpürend, iſt mit derſelben naturhiſtoriſch komparativen Methode
zu denſelben Ergebniſſen und bis zum Bel von Babel hinunter⸗
gekommen, wie der Deutſche Julius Braun von den Schutthügeln
des babyloniſchen Turms aus hinauf nach Norden zum Vorſtellungs⸗
kreiſe der Edda.
So ſchwierig und ſcheinbar verworren ſich die „Naturgeſchichte der
Sage“ demjenigen darſtellt, der mit ihr einen Gang durch die
Trümmerfelder der alten Götter⸗ und Religionsbegriffe wagt, ſie
wird ſich als pfadkundiger, mutiger und ſtets gradausſchreitender
Wegweiſer im Labyrinth mehr und mehr erproben. Spätere werden
ohne Dank und Pietät für die Mühen des erſten Pfadbrechers die
Ergebniſſe verwerten, und auch der, leider vom Verfaſſer nicht er⸗
lebte Tag könnte kommen, wo es heißt: „Daß iſt ja gar nichts Neues
mehr, und hat ſich von jeher ſelbſt verſtanden.“
Mancher andere hätte ſich nach ſolchen Werkes Vollendung einige
Jahre Ruhe gegönnt. Nicht ſo Julius Braun. Es drängte ihn,
ſeine wiſſenſchaftliche Methode auch in künſtleriſchen Geſtaltungen
zu bewähren. 1867 erſchienen ſeine „Hiſtoriſchen Landſchaften“
(Stuttgart J. G. Cotta), die reife und klaſſiſche Frucht der aus
philologiſchem Quellenſtudium und jahrelanger Durchwanderung des
Orients gewonnenen Geſamtanſchauung. Jene harmoniſche Schön⸗
heitlinie, die nur der Süden der von nordiſchem Bücherwiſſen form⸗
los geſättigten Seele einzuprägen vermag, galt ihm als Maßſtab die⸗
ſer Darſtellungen, die zuerſt den Inhalt mündlicher Vorträge an der
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