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130 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
alters Lußhard genannt, einſt ein hochwipfliger Eichenforſt, jetzt
auf den trockenern Stellen in Kiefernbeſtand übergegangen. Am ſüd⸗
lichen Saume dieſes Hardtwaldes, auf der höchſten Stelle der Ge⸗
gend, 30’ über des Rheines und 391 über des Meeres Fläche unter
49°0' nördlicher Breite und 26 °4 öſtlicher Länge liegt des Badi⸗
ſchen Landes Hauptſtadt, Karlsruhe. Die geologiſche Be⸗
ſchaffenheit der Umgegend erſcheint in folgenden Verhältniſſen:
Die Ebene beſteht durchaus aus Ried⸗, Moor⸗ oder Sandboden. Das
Gebirgsland vom Albtal an, wo noch Granit und Porphyr ſich zei⸗
gen, bis weit abwärts, iſt ein Wechſel von Sandſtein, Letten und
Kalkſteinſchichten. Die Abſätze des früheren Rheinbettes, welche
aus Geröllen vorzüglich von Graniten, Porphyren und Muſchelkalk
zum Teil mit ihren charakteriſtiſchen Einſchlüſſen von Mineralien
und Verſteinerungen, loſem Sand und Letten beſtehen, gehören zum
Teil der Diluvjalperiode, zum Teil der hiſtoriſchen oder Alluvial⸗
periode an. Am Rhein ſelbſt werden in dieſem Gerölle die Zähne,
Knochen und Kieferſtücke von Mammut, Urpferd und Nashorn (Rhi-
noceros leptorhinus Cuv.) gefunden; einen prachtvoll erhaltenen
Schädel von Rhinoceros Merkii bewahrt das Naturalien⸗Kabinett.
Außerdem iſt die Bildung durch ihren Goldgehalt merkwürdig,
welcher von Philippsburg aufwärts bis Kehl gewöhnlich in Form
ganz feiner Blättchen mit Magneteiſen in feinen Sandſchichten vor⸗
kommt, die infolge der jährlichen Anderungen des Stromlaufs häu⸗
fig ihre Stelle wechſeln; die Goldwäſcherei iſt jedoch infolge der
Stromregulierung kaum noch im Gang und wirft durchſchnittlich
nur wenig mehr als den gewöhnlichen Taglohn ab. (Vgl. Badiſches
Landwirtſchaftl. Wochenblatt von 1838, p. 181.) In den fünf
Jahren 1767 bis 1771 wurden an den ergiebigeren Goldſandbänken
von Knielingen bis Linkenheim, beſonders zu Eggenſtein, 2177
Kronen Goldes, die Krone zu 5 fl. Wert, herausgewaſchen. Das
Gold iſt ſehr rein, zu 22 Karat und von heller Farbe. Die Rhein⸗
niederungen unter dem früheren ſcharf markierten Hochgeſtade, auf
dem die Dörfer Daxlanden, Knielingen, Neureuth und Eggenſtein
liegen, zeigen an vielen Stellen ausgedehnte Torflager, der Forma⸗
tion der ſog. Wieſenmoore angehörig, welche die Reſidenz mit Hei⸗
zungsſtoff verſorgen. Ton⸗ und Lettenlager in der Nähe der ge⸗
nannten Landorte geben Anlaß zu ſchwunghaftem Betrieb von Zie⸗
geleien, deren mehrere z. B. in Eggenſtein tätig ſind, freilich ohne
daß ihre Backſteine mit den eigentümlichen in dem Rheindorf Alten⸗
heim bei Kehl gewonnenen ſich meſſen können, welche an meer⸗
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