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III. Lokalgeſchichtliches. 133
von galliſch römiſchen Anſiedlern angebaut; „leichtfertig Volk aus
Gallien, unternehmend aus Armut“ nennt Tacitus die Koloniſten
dieſer zehntpflichtigen Grenzlande. Die Gebirgskette hieß Abnoba
oder Silva Marciana, Markwald; — ein großer Heerweg, die ur⸗
alte Bergſtraße zog links desſelben von Baſel bis an den Main.
Das linke Rheinufer hüteten die Militärſtationen Saletio (Selz),
Tabernae (Zabern), Vicus Julius (Germersheim), Nemetis (Speyer),
Altaripa (Altrip). Luxus und Lebensgenuß gedieh in der Bäder⸗
ſtadt Baden, damals Civitas Aurelia Aquenſis, von welcher aus die
ſteinernen Wegſäulen der Heerſtraßen ihre Entfernung in Leugen
bemeſſen. Durlach erinnert an ein altes Duriacum oder Turris ad
lacum, die Hochwarte auf ſeinem Turmberg iſt eines jener römiſchen
Monoppyrgien, deren Signale bei Tag durch Rauch, bei Nacht durch
Feuer die damalige Militärtelegraphie bildeten.
Der Turm mißt an ſeinen Außenſeiten 9 m 03, im Lichte 4 m 26
mit 2 m 37 dicken Grundmauern und einer Höhe von 22 m 2
über ſeiner jetzigen Umgebung. Der Eingang war nicht unten, ſon⸗
dern in ziemlicher Höhe über dem Boden, man gelangte auf Strick⸗
leitern oder vermittels eines Aufziehkorbes dahin. Oben lief eine
Galerie rings um den Turm, welcher mit einem Dache gedeckt war;
unten war derſelbe mit einem Kranz von Palliſaden und einem Gra⸗
ben oder einer Ringmauer umgeben. Neben dem Turme, der Ein⸗
gangsfenſterpforte gegenüber, ſteht ſelbſtändig eine einzelne Mauer,
welche bis etwa zur halben Turmhöhe reicht und als Stützmauer für
einen brückenartig herübergelegten Balkenboden diente, auf welchem
die kleine aus 8d—10 Mann beſtehende Beſatzung ſich im Freien be⸗
wegen und gegen die erſten Angriffe des Feindes ſich verteidigen
konnte. Mußte ſie von dieſer Brücke ſich zurückziehen, ſo war ſie
in dem unſtürmbaren Innern des Turmes ſoweit mit Waſſer und
Lebensmitteln verſehen, daß ſie ſich halten konnte bis ihre Signale
die nötige Hilfe herbeigerufen hatten.
Die Umfaſſungsmauern unſeres Turmes ſind an der Außenſeite
mittels Boſſagequadern aus roten Sandſteinen hergeſtellt, die innere
Wandung iſt mit Kalkſteinen gemauert und die Zwiſchenräume mit
Mörtel und Steinbrocken (Gußmauerwerk) ausgefüllt. Er mag in
den unruhigen Zeiten des dritten Jahrhunderts entſtanden ſein.
Ein ähnlicher wohlerhaltener 27 m hoher Römerturm mit Flanken⸗
mauern ſteht im Nagoldtal ober Liebenzell, ein vieleckiger bildet
den Kern der kraichgauiſchen Burg Steinsberg bei Sinsheim.
Das Pfinztal führt im Volksmund den Namen Welſchtal; an et⸗
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