Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 134
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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134 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

lichen ſeiner Dorfkirchen, zu Söllingen, Königsbach, Nöttingen, Ell⸗
mendingen, Remchingen, ſind oder waren römiſche Skulpturen ein⸗
gemauert; eine unweit Singen gefundene, von Juvenalius Macrinus
gewidmete Ara nennt den Ort vicus Senotensis. Das nahe Pforz⸗
heim war die porta Hercynia. Die Albſtadt Ettlingen (alt Ethe⸗
ningen) mag Athiniacum geheißen haben. Auf dem Rhein war
Schiffahrt, auf der Alb Flößerei im Schwung; dem Beſchützer der
Schifferzunft Neptunus weihte Cornelius Aliquandus dort ein Stein⸗
bild, an der Alb oberhalb Mühlberg Lucilius Moderatus ein ſolches
der Diana Abnoba. Den Gipfel des Staufenberges krönt heute noch
„der gehauene Mann“, d. h. der Steinaltar, den der Kaufmann Va⸗
lerius Pruſo dort dem Gott Mercurius errichtet hat. Die jetzt
pfälziſchen Dörfer Pforz und Neupforz bewahren in ihren Namen
(portus) die Erinnerung an ehemalige Rheinhäfen; im benachbarten
Rheinzabern blühte eine Töpferinduſtrie, die ihre zierlichen roten
Reliefgefäße und Schalen zu Land und Waſſer weit herum ver⸗
ſandte.
In dunklerer Färbung und gedrängtem Körperbau der Einwohner
der Hardtgemeinden will man ihren keltiſch⸗römiſchen Urſprung er⸗
kennen; gleicher Urſprung läßt ſich aus der zuſammenhängenden
Anlage der Dörfer, aus der urſprünglichen Errichtung der Häuſer
aus Balken und mit Lehm überſtrichenem Geflecht oder mit Back⸗
ſteinfüllung, ſowie aus der landüblichen Form der Brunnen ſchließen.
Wie alle auf das Bauweſen bezüglichen Wörter, Mauer, Ziegel,
Fenſter, Kalk, Kamin, Kammer, Keller, Leimen, Mörtel, Pforte,
Quader, Schindel, Speicher, Turm, ſo ſtammt auch der für Haus⸗
flur übliche Ausdruck Hauſaeren (area) aus dem Lateiniſchen *).
Nach vielen und wechſelnden Kämpfen im Grenzland, welche öfter
die perſönliche Anweſenheit der Kaiſer erforderten, eroberten die
Alemannen im 3. Jahrhundert chriſtlicher Zeitrechnung das Rheintal
und ließen ſich darin nieder, zu ihren Sitzen die beſſeren Lagen der
Vorhügel und Talausgänge wählend. Im 5. Jahrhundert wurde
auch im linksrheiniſchen Gallien die Römerherrſchaft gebrochen. Die
Alemannen verblieben nicht lange ungeſtört im Beſitze ihrer Er⸗
oberung; ſie mußten dieſelbe mit den Franken teilen, welche bei

*) Nähere Kenntnis der Römerzeit am Oberrhein gewähren: Mone, Ur⸗
geſchichte des Bad. Landes, Karlsruhe 1845 und Vierordt, Bad. Geſchichte,
Tübingen 1865, vollſtändige Nachweiſung des damaligen Straßennetzes Vetter,
über das römiſche Anſiedlungs⸗ und Befeſtigungsweſen, Karlsruhe 1868, mit
zwei Karten.


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