Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 137
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III. Lokalgeſchichtliches. 137

ernhaus dieſer wie der gegenüberliegenden rheinpfälziſchen Dörfer
am Bienwald zeigt einen ſehr beſtimmten Charakter. „Der Sockel
iſt von Stein; dann aber bildet Fachwerk in oft ſinnreich wechſeln⸗
den geometriſchen Formen das Gerippe der Wände; die Füllung iſt
mit weißem Kalk getüncht, die Balken treten in der natürlichen Holz⸗
farbe vor, bei reicheren Häuſern auch in rotbraunem Anſtrich. An
der gegen die Straße ſchauenden Giebelfront kreuzen zwei bis drei
parallel übereinander laufende Vordächer die Scheitellinie des Giebel⸗
dreieckes. Entſprechend dem Geſamtſyſtem des Holzbaues iſt das
große Hoftor nicht gewölbt, ſondern geradlinig mit einem kleinen,
jenen Vordächern gleichgearteten Dache abſchließend. Statt der
Mauer umgürtet meiſt eine lebende Hecke den gern mit ſtattlicher
Rebenlaube geſchmückten Hofraum.“
Von den ufgauiſchen Ortſchaften bildeten die Hardtgemeinden
Beiertheim mit Bulach, Rintheim, Hagsfeld, Blankenloch und Gra⸗
ben, wozu ſpäter auch noch Neureuth kam, eine Markgenoſſenſchaft,
deren Urſprung in die Zeit der alemanniſchen Eroberung des Landes
hinaufreichen mag. An ihren gemeinſamen Forſt⸗ und Weidrechten
im Hardtwald beſaßen dieſelben noch immer einen Reſt jener Ge⸗
noſſenſchaft. Es entwickelte ſich bei ihnen ein tüchtiges, zähes Bauern⸗
weſen. Zur Gemarkung von Beiertheim, die im Süden des Hardtes
die größere war, gehört der heutige Karlsruher Grund und Boden.
Ein Bericht über die dortige Kapelle aus dem Jahr 1729 bezeichnet
unter den liegenden Gütern derſelben ein Wieſenſtück im Hardtwald
naiv mit den Worten: „worauf nunmehr Karlsruhe ſteht“. In
die einfachen bäuerlichen Verhältniſſe der Gegend brachte während
des 12. Jahrhunderts die Gründung eines Kloſters mannigfaltigeres
Leben. Wo nun Gottesau liegt, war damals ein einſchichtiger Hof
bei einem neu ausgereuteten Feld, an einem Altwaſſer, von Eichen⸗
und Buchenwald dicht umgeben. Man nannte den Platz die Au, er
gehörte zu den Eigengütern des Grafen Berthold zu Hohenburg
und Forchheim, Schutzvogts der Abtei Lorſch, dem fränkiſchen Gra⸗
fengeſchlecht der Henneberger entſtammt († 1122). Dieſer Herr, alt
und gebrechlich geworden, weihte die Au im Lußhard zu einer
„Godeſowa“, erbat ſich aus der benachbarten Benediktinerabtei
Hirſchau zwölf Brüder unter Leitung des ehrwürdigen Walpot, baute
ihnen im Jahr 1110 ein Klöſterlein und befeſtigte ihre Verfaſſung
durch einen von Kaiſer Heinrich V. beſtätigten Freiheitsbrief*).
*) S. Leichtlin, Gottesauer Chronik. Karlsruhe 1810, bei C. F. Müller.
— Gerbert, histor. silvae nigrae III, 43— 47.


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