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138 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
Die Güter und Rechte, womit Graf Berthold ſeine Stiftung bewid⸗
mete, lagen zu Beiertheim, Knielingen, Berghauſen und andern Ort⸗
lichkeiten, deren Namen verſchollen ſind. — Später erweiterten ein
Stammverwandter des Gründers, Graf Wezel von Grözingen und
andere Sprößlinge oder Lehenmänner des eberſteiniſchen Hauſes
dieſe Begabung mit Gütern und Rechten zu Rintheim, Wolfarts⸗
weier, Rüppurr, Daxlanden, Forchheim, Eggenſtein, Blankenloch,
Hagsfeld, Durlach, Schöllbronn, Söllingen, Weingarten, Grombach,
Spöck und Graben, wodurch das junge Gotteshaus einen ausge⸗
dehnten Wirkungskreis gewann; es verſorgte benachbarte Kirchen
mit Geiſtlichen, ſtockte Wälder aus, trocknete Moräſte, zog Kolo⸗
niſten herbei und gründete das Dorf Neureuth. In beſonderes Ver⸗
hältnis zu dem Kloſter traten die Hardtgemeinden. „Es mögen die⸗
ſelben,“ ſagt die Gottesauer Chronik, „in uralten Zeiten eine Kolonie
geweſen ſein, welche ſich in dieſen Strich des Hardtwaldes geteilt,
denn jede beſaß einen verhältnismäßigen Anteil daran. In Kriegs⸗
und Friedenszeiten ſtand hier ein jeder für den andern, unter dem
Schutze der heiligen Jungfrau, welche zu Gottesau als wundertätig
verehrt wurde, und alljährlich um die Faſtenzeit verſammelte ſich
das Volk der ſieben Dörfer zu einem feierlichen Umgange. Nach
Beendigung desſelben wurden die Teilnehmer mit Wein, Brot und
Küchlein gelabt. Hierauf wohnten ſie noch einer heiligen Meſſe bei,
empfingen vom Prieſter den Segen und wanderten wieder munter
nach Hauſe.“
Die Zeiten änderten ſich; im Bauernkrieg am Palmſonntag 1525
wurde die Abtei geplündert und den Flammen preisgegeben, ſpäter
ſäkulariſiert. 1533 erbaute Markgraf Karl II. von Baden ein
Schloß an deren Stelle. Der weſtfäliſche Frieden ſicherte ſeinem
Hauſe allen ehemals klöſterlichen Beſitz, darunter auch die Grund⸗
herrlichkeit in den Hardtgemeinden. Noch 1563 hatte Gottesau den
Charakter eines Inſelkloſters. Die Renovation der Güter und Ge⸗
fälle führt auf: „Das Kloſter ſelbſt mit Mauern, Zinnen, Waſſer⸗
gräben, Häuſern, Ställen, Scheuern; ſodann ein Schafhof gegen
Rintheim zwiſchen dem See an der Landſtraße und des Kloſters
Wäldern, ferner ein Haus, genannt das Seehaus an der Land⸗
ſtraße gegen Durlach, ſonſt allenthalben im Gottesauer See ge⸗
legen, desgleichen ein Baumgarten, der Chorgarten innerhalb des
Grabens, der Küchengarten drei Morgen groß, zwiſchen See und
Kloſter, endlich das Weingärtlein rings um das Kloſter.“ Im Or⸗
leansſchen Verwüſtungskrieg abermals niedergebrannt, blieb Got⸗
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