Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 140
(PDF, 47 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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140 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

tragen, ein treues Gedächtnis. Was an Romantik und altertümlicher
Dämmerung abgeht, erſetzt der klare Tagesſchein der Geſchichte, der
bis zur Stunde der Grundſteinlegung zurückleuchtet. Apollo und die
Muſen, den Pan und andere Waldgötter verſcheuchend, war einſt
als Relief für ein Denkmal ihres Gründers vorgeſchlagen. — Seit
der Trennung des Badiſchen Markgrafenhauſes war erſt Pforzheim,
ſeit 1565 Durlach Hauptſitz der Erneſtiniſchen proteſtantiſchen Linie.
Im Jahre 1709 ſtarb dort der in vielem Ungemach ſtandhafte Mark⸗
graf Friedrich Magnus, ihm folgte in der Regierung ſein älteſter
Sohn Carl Wilhelm. Geboren 1679, hatte er in ſeiner Jugend zu
Utrecht ſtudiert, ſodann die nordiſchen Königreiche, England und
Italien, durchreiſt, in dem Kriege 1696 und 1697 am Rhein als
Freiwilliger Dienſt getan, und obwohl ſchon als Erbprinz 1697 mit
der jüngſten Tochter des Herzogs Wilhelm Ludwig von Württem⸗
berg, Magdalena Wilhelmina, verheiratet, zog er 1701 wieder mit
zu Felde, wurde bei der Blockade von Landau und im Treffen von
Friedlingen verwundet und erwarb im Reichskriegsdienſte der fol⸗
genden Jahre die Beſtallung als kaiſerlicher Generalfeldmarſchall
und Generalfeldzeugmeiſter des löblichen Schwäbiſchen Kreiſes. 1704
in der Schlacht bei Hochſtädt war er mit ſeiner Kavallerie viermal
in die feindliche Armee gedrungen und durch ſeinen Sattelknecht
Aberle aus dichtem Gedräng gerettet worden. Sein Vater hinterließ ein
durch die franzöſiſchen Kriege, Brand und Plünderung zerrüttetes
Land und eine erſchöpfte Kaſſe. Dem in voller Manneskraft die
Regierung ſeines kleinen Staates übernehmenden Sohn ward der
Aufenthalt in dem Stammſitz ſeiner Väter aus verſchiedenen Grün⸗
den unbehaglich. Es war unter den Einflüſſen des vielbewunderten
Hofes von Verſailles gewiſſermaßen Mode, fürſtlichen Hofhaltungen
in flacher Ebene neue Wohnſtätten zu gründen. Neben Heidelberg
entſtand damals Schwetzingen, neben Bruchſal Waghäuſel, neben
Baden Raſtatt, neben Stuttgart 1704 Ludwigsburg. Verſtimmung
gegen die Bürgerſchaft ſeiner „guten und getreuen Reſidenzſtadt
Durlach“, die keineswegs Bereitwilligkeit zeigte, zur Ausführung
und Verſchwörung der 1689 niedergebrannten Carolsburg ihre
Grundſtücke abzutreten — eigentümliche, durch Leidenſchaft für Oper,
Ballett, Schäferſpiele, Gärtnerei und weibliche Umgebung zur Miß⸗
helligkeit mit der Markgräfin führende Lebens⸗ und Sittenrichtung,
über die ſich die pfälziſche Prinzeſſin Eliſabeth Charlotte in ihren
gleichzeitigen Briefen lebhaft ausgeſprochen hat, dazu ein unterneh⸗
mungsluſtiger und kenntnisreicher Geiſt weckten den Gedanken, eine


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