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III. Lokalgeſchichtliches. 141
neue Sommerreſidenz, welche zugleich zum Ruhepunkt von den Jag⸗
den im großen Hardtwald dienen möge, zu erbauen. „Den 28. Ja⸗
nuar 1715, berichtet ein Proſpekt von H. Schwarz 1721, iſt daran
auszuſtocken angefangen.“ Die Sage weiß zu erzählen, wie einſt
ein Traum dem in Waldesdickicht auf der Jagd verirrten Fürſten
den Fächerplan ſeines zukünftigen „Trutz⸗Durlach“ geoffenbart. Den
wirklichen Hergang der Gründung ſchildert als Augenzeuge der Pro⸗
feſſor des Durlacher Gymnasium illustre Johann Kaſpar Malſch
(† 1742) in ſeinen Origines novae sedis marchionum Bada-Dur-
lacensium, ab Serenissimo Principe ac Domino Carolo Marchione
Badensi et Hochbergensi titulo: „Carolsruh sive Carolihesycheum“
conditae (1728). Nachdem er der Findung eines richtigen lateini⸗
ſchen Stadtnamens (Caroli-Otium, Carolo-pausis, Caroli⸗ονποa
viel philologiſche Sorge gewidmet, erzählt derſelbe: „Markgraf Karl
erbaute ſich den Ort zu einem Ruheplatz, daher deſſen Benennung.
Nach den Arbeiten und Drangſalen des Spaniſch⸗Franzöſiſchen Krie⸗
ges wollte er ſich in ſtiller Zurückgezogenheit wieder erholen und
ſammeln. Zwei Gründe veranlaßten den Bau. Der eine war die
ſumpfige Lage von Durlach, wo die ſtarken Frühlings⸗ und Herbſt⸗
nebel das Klima ungeſund machen. Schon Markgraf Friedrich
Magnus hatte deswegen mehrere Ableitungskanäle ſtechen, einen
großen Teil des ſumpfigen Stadtgrabens in Gärten umwandeln
und endlich auch das Reſidenzſchloß höher aufführen laſſen, um es
freiem Luftzuge auszuſetzen. Der neue Schloßbau erhob ſich ſchnell,
wurde aber durch den Tod des Markgrafen plötzlich unterbrochen.
Sein Nachfolger hätte ihn gerne vollendet, anfangs indeſſen ver⸗
hinderte ihn der Krieg, und nach Herſtellung des Friedens trat ein
anderes Hemmnis der Vollendung entgegen.
In dieſem lag zugleich der zweite jener beiden Gründe. Die An⸗
lage des Schloſſes war grandios, und kaum erſt ſtand ein Drittel
unter Dach. Das übrige in gleichem Stile auszuführen, reichten
die Mittel nicht hin, und Geringeres konnte man auch nicht daran
fügen. Es ſchien daher am beſten, ein ganz neues Reſidenzſchloß
zu gründen, welches geſunder liege und die Kaſſe nicht zu ſehr in
Anſpruch nehme. Übrigens ſoll im Anfange des neuen Baues die
Abſicht des Markgrafen noch gar nicht geweſen ſein, die alte Reſi⸗
denz zu verlegen; er wollte nur einen Aufenthalt haben, wo er die
ſchöne Jahreszeit ungeſtört genießen könne (locum quaesisse, ubi
veris salubres auras captaret, ubi aestivaret et remisso ad comi-
tatem animo silvarum umbraculis, reficeretur). Erſt ſpäter habe
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