Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 142
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142 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

die Wohlgelegenheit des Ortes und die wachſende Anzahl nachbar⸗
licher Anſiedler die Veranlaſſung zur Translation gegeben.
Wie dem aber ſein mochte, im Jahre 1715 begann der Markgraf,
im Zivil⸗ und Militärbauweſen ſelber ſehr bewandert, mit ſeinen
Bauverſtändigen die Gründung der neuen Reſidenz. (Ipse quidem
Princeps architectus solus, quippe tam militaris quam civilis archi-
tectonicae callentissimus.) Die Ausführung des entworfenen Planes
wurde dem Herrn von Bazendorf (qui ipsius impensa principis
omnes artes mechanicas ac mathesin architectonicam ante imbi-
berat —), dem Baudirektor Schwarz (hamburgensis, machinarum
et armamentorum structor egregius), dem Baumeiſter Henkel und
dem Maurermeiſter Hemberger (murariorum magister) anvertraut.
Zunächſt wurde von der beſtimmten Stelle aus das Terrain der
künftigen Stadt durch einen kreisförmig durch den Wald gezogenen
Pfahlhag bezeichnet, ſolches von den Bäumen gereinigt und in ſeiner
Mitte ein achteckiger Turm errichtet. (Inde locus in medio circuli
centro delectus eique loco turrita specula per complures ontigna-
tiones in miram altitudinem imposita, forma septangulari.) Den
Grundſtein zu demſelben legte der Fürſt am 17. Juni 1715 mit
eigener Hand, wobei unter Anweſenheit des Hofſtaates und vieler
Zuſchauer die Jagdhörner und Trompeten freudig erſchallten und
der Hofprediger J. Lorenz Hölzlin eine treffliche Rede hielt. In
den Grundſtein verſchloß man eine ſilberne Tafel mit dem Bildnis
des Gründers und einer kurzen Gründungsnotiz, ein Fläſchchen Wein
und verſchiedene Münzen; zum lebendigen Gedächtnis der feierlichen
Handlung verkündete Karl Wilhelm die Stiftung eines ritterlichen
Ordens, welchen er den „Hausorden der Treue“ (Fidelitas) be⸗
nannte. Hierauf wurden von dem Turme aus radienweiſe 32 Alleen⸗
wege durch den Wald gehauen, wovon einige nach den bedeutenderen
Orten der Nachbarſchaft führen. In dieſem Umkreiſe beſtimmte
man den Teil zwiſchen den ſüdlichen Radien für den Schloß⸗ und
Stadtbau; im übrigen Teile wurde ein Park mit vielerlei zahmen
und wilden Tieren angelegt, und zunächſt hinter dem Turme eine
Reihe von Käfighäuschen und Baſſins für Sing⸗ und Waſſervögel
aller Gattung (praecipue tanta copia perdicum, anatumque sil-
vestrium phasianorumque est, ut non solum gregatim in ornitho-
tropheo visantur, sed inde sobolem quoque, veluti ver sacrum, per
universam silvam diffuderint). Das fürſtliche Schloß ward zunächſt
vor dem Tore errichtet und tat ſich halbmondförmig gegen Süden
auf. Es beſtund in drei Hauptabteilungen, gegen Oſten aus einem


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