http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0150
150 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
und Verfaſſungsbriefe noch zweideutig geblieben, kam es zu neuen
Irrungen. Die Bürgerſchaft bat endlich um eine Interpretation und
nach Verlauf zweier Jahre erſchien ein „Anhang zu den Privilegien“.
Es wurde darin auch jeder, der ſich in Karlsruhe haushäblich nieder⸗
gelaſſen hatte, ohne bürgerliches Gewerbe zu treiben, und jedes auf
Manufakturen verwendete Kapital von aller Auflage erledigt, da⸗
gegen beſtimmt, daß kein Haus oder Grundſtück mehr von dem ge⸗
wöhnlichen Beitrag an die Gemeindekaſſe befreit ſein ſolle. Dieſen
Anhang erhielt der Stadtrat mit der Mahnung, daß während der
Freijahre von der Bürgerſchaft nach und nach alles angeſchafft und
hergeſtellt werde, was für gemeine Stadt zunächſt erforderlich ſei,
und ohne welches ſie ſtädtiſchen Rang und Namen nicht verdiene,
als ein Rathaus, Feuerlöſchgeſchirr, Stadtuhren und Straßenpflaſter.
Unter ſteten Klagen der Bürgerſchaft über Vermögensloſigkeit und
Beſchränkung ihrer Privilegien ſchritt die ſtädtiſche Einrichtung vor⸗
an. Es währte ſehr lange, bis ſich Handelshäuſer von Belang bil⸗
den konnten. Bis zu dem franzöſiſchen Revolutionskrieg war kaum
ein Etabliſſement vorhanden, welches den Namen Handelshaus ver⸗
dient. Alles war Krämerei. Langſam erhoben ſich die öffentlichen
Gebäude, langſam überhaupt entwickelte ſich alles, was den gemeinen
Nutzen betraf, während Privatintereſſen ſchnell ſich förderten und
dadurch in Handel und Wandel der alte Zuſtand wieder herbeige⸗
führt wurde. Arbeiten und Waren fand man überall wohlfeiler und
beſſer, und über die Nahrungsmittel war des Murrens kein Ende.
In den Jahren 1722 bis 1724 wurden die Hofkanzlei und alle
Regierungskollegien, ſowie nach dem alten Sprichwort schola illustris
sequitur aulam das Gymnaſium von Durlach herüberverlegt, —
der mit herüber berufene Lateiner Malſch gab der kleinen Anſtalt
den großen Namen Athenaeum Carolocianum und ſich ſelbſt den
Titel moderator Athenaei.
Die erſten in Karlsruhe dienſttuenden markgräflichen Staatsräte
waren: Friedrich Freiherr von Uxküll, Wilhelm Freiherr Schilling
von Cannſtadt, Heinrich Maler, Conrad Stadelmann, Wilhelm zur
Glocken, Ernſt Bürklin, Johannes Schmaus; ihr Sekretär J. Jacob
Bader. Die erſten Mitglieder des Juſtizkollegiums, des Kirchenrats
und der Finanzkammer, ſowie die damaligen Vorſtände der Baden⸗
Durlachiſchen Oberämter Durlach, Pforzheim, Emmendingen, Ba⸗
denweiler und Lörrach ſind verzeichnet in Malschii Origines. Der
erſte Stadtamtmann war Johann Freiherr von Günzer, nach wel⸗
chem die jetzige Kronenſtraße den Namen trug, neben ihm fungier⸗
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0150