Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 152
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152 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

Vielmehr, da ich nicht der reichſte Herr bin, habe ich bloß ein Haus
nach meinen Umſtänden erbaut und will lieber, daß man von mir
ſagen ſolle, ich wohne übel und hätte dabei keine Schulden, als daß
man ſagte, ich habe ein koſtbares Schloß, ſeye aber vieles ſchuldig“*).
Seine Gemahlin war ihm nach dem neuen Wohnſitz nicht gefolgt,
und widmete ſich in der nach 1689 zum Teil wieder aufgebauten
Carolsburg zu Durlach der Erziehung ihrer Enkel.
Wer nun im Jahre ſeines Todes einen Gang durch die „neu⸗
erbaute verwunderungswürdige Reſidenz“ unternahm, erblickte Stadt
und Schloß in dem Zuſtande, welchen der vom markgräflichen Kunſt⸗
und Luſtgärtner Chriſtian Thran (Mitverfaſſer des index plantarum
horti Carlsruhani tripartitus, von ſeiner 1731 mit dem Profeſſor
Hebenſtreit von Leipzig nach Afrika unternommenen wiſſenſchaft⸗
lichen Reiſe glücklich heimgekehrt) gezeichnete und von S. Math.
Steidlin & Cie. „in Kavalierperſpektive geſtochene Proſpekt“ der
Nachwelt aufbewahrt hat. Entſprechend der ſchmeichelnd ſymboliſchen
Auffaſſung, daß der Regent den Mittelpunkt des Staates bilde, daß
von ihm oder unter ſeinem Schutze alle Strahlen der Kultur aus⸗
gehen und er von geiſtiger Hochwarte die Vor⸗ und Rückſchritte be⸗
obachte, ſo bildete jenes aus Riegelwänden improviſierte Waldſchloß
den Mittelpunkt der 32 von ihm ausſtrahlenden Hardtwaldalleen und
Stadtgaſſen.
Die einzelnen Schloßgebäude waren: „Der Turm, als das Zen⸗
trum des ganzen Proſpekts, durch drei übereinanderſtehende Galerien
an das fürſtliche Schloß gebunden. Der hintere Schloßhof mit ver⸗
ſchiedenen kleinen Häuſern von allerhand Inventionen zu Aufbe⸗
wahrung von Geflügel uſw.; der Tiergarten; der Faſanengarten;
das mittelbare oder Hauptgebäude vom Schloß; der rechte und linke
Flügel vom Schloß, worin die Ball⸗ und Opernhäuſer; die Oran⸗
geriehäuſer; der Marſtall und das Reithaus; der hochfürſtliche Luſt⸗
garten, worin in der Mitte die Hauptparterre, deren Gänge mit
Orangerie beſtellt; ein vertiefter Garten mit einem Glashaus und
allerlei Sorten Orangerie; ein vertiefter Garten mit Orangerie,
deſſen ganze Länge ein Vogelbehältnis beſtreicht, aus welchem die
Kanarienvögel ins Freie fliegen; ein vertiefter Garten, worin ein
Behältnis für Tiere und fremde Vögel; ein vertiefter Garten mit
Glashäuſern für die ausländiſchen Gewächſe, ingleichen mit einem
Seminario.“

*) S. Mémoires tom. 1. lettre 17.


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