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III. Lokalgeſchichtliches. 153
Dieſer Luſtgarten vor dem Schloß und Paradeplatz mit ſeinen
Buxus⸗ und Taxuseinfaſſungen, zugeſchnittenen Heckenwänden und
Schnörkelwegen mit Steinpagoden und Waſſerkünſten, Orangerien
und Tulpenfloren, den Schönheitsprinzipien der Gartenkunſt von
Harlem entſprechend, war damals berühmt, dichteriſch als „ornatus
tot mille coloribus hortus“ geprieſen. In dieſem, jetzt nur mit
Baumgängen und Raſen angelegten großen Raume zwiſchen Schloß
und Stadt, gedieh ein Flor von Hyazinthen, Anemonen, Ranunkeln,
Narziſſen, Aurikeln, Nelken, Kaiſerkronen, Iris, Krokus; der Aloe⸗
arten zählte man 36, der Ficus 40, der Tulipanen gar etliche 1000
Sorten. Von geſchickten Malerinnen hatte der fürſtliche Blumen⸗
freund gegen 6000 ſeiner ſchönſten Zwiebelgewächſe malen und zu
einer 16 Folianten ſtarken Sammlung vereinigen laſſen. Die Hof⸗
bibliothek bewahrt ſie. Der iſoltert ſtehende Schloßturm war von
einem Hof mit 4 Fontänen umgeben, um dieſe reihte ſich ein Kreis
von zwanzig kleinen Gebäuden für Geflügel und Tiere. Von der
Stadt weiß Thrans Proſpekt noch nicht mehr zu verzeichnen als:
„Cirkulhäuſer, worunter die fürſtlichen Kanzleien und ein Orangerie⸗
haus, das Linkenheimer Tor, die evangeliſche Kirche, das Rathaus,
das Gymnaſium, die reformierte Kirche, das Mühlburger Tor, das
Durlacher Tor, Klein⸗Carolsruhe und das Rippurrer Tor.“
Karlsruhe zählte damals gegen 300 Bürger und Bürgersſöhne und
gegen 100 Schutzbürger und Juden. Von den Straßen beſtanden
nur die beiden Zirkel (Circulhäuſer) und die lange Straße (damals
Mühlburger Allee genannt), von der Waldhorn⸗ bis zur Wald⸗
ſtraße, mit den dazwiſchenliegenden. Sämtliche Straßen trugen Na⸗
men von fürſtlichen und adeligen Bewohnern, die jetzige Waldhorn⸗
ſtraße hieß Löwenkranziſche Gaſſe, die Adlerſtraße Rottbergiſche
Gaſſe, die Kreuzſtraße Prinz Friedrichs Gaſſe, die Schloßſtraße
Markgraf Carls Gaſſe, die Lammſtraße Markgraf Chriſtophs Gaſſe,
die Ritterſtraße Graf Leiningſche Gaſſe, die Herrenſtraße Draiſche
Gaſſe, die Waldſtraße Plantaſche Gaſſe. Die Bevölkerung zog vor,
die Straßen nach den darin befindlichen Gaſthöfen Waldhorn, Krone,
Adler, Kreuz, Bären, Lamm und Ritter zu nennen. Die Herren⸗
ſtraße erinnert noch an den politiſchen Unterſchied der Stände; die
Waldſtraße an den Zuſtand der Vorzeit. Auch die dreiundzwanzig
ſtrahlenförmig vom Schloß auslaufenden Hardtwaldalleen waren
nicht, wie jetzt, von den Landorten benannt, nach welchen ſie führen,
ſondern nach adeligen Mitgliedern des Markgräflichen Hofſtaates
und zwar, wie der von M. Seutter zu Augsburg ohne Jahrzahl
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