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III. Lokalgeſchichtliches. 155
wärts, wo itzt Zähringerſtraße, Marktplatz, Rondell, war alles
Gartenland und floß ungedeckt der Landgraben. Im Südoſten der
Stadt hatten ſich die Bauarbeiter, welche reichliche Nahrung fanden,
nebſt der niedern Hofdienerſchaft mit hölzernen einſtöckigen Häuſern
ihr „Dörflein“ gebaut. Sie waren nur Hinterſaſſen und bildeten
erſt ſpäter eine eigene Gemeinde, „Klein⸗Karlsruhe“. Das Schloß
allein hatte drei Stockwerke, die Arkadenhäuſer des äußeren Zirkels
beſtanden aus zwei Stöcken, die meiſten Bürgerwohnungen waren
einſtöckig. Die erſten Häuſer im Jahr 1715 hatten die Zimmerleute
Nicolaus Arnold aus Seidendorf und Paul Langenbach aus Lahr in
der jetzigen Kronenſtraße errichtet; 1716 entſtand nur ein Privat⸗
haus, vom Rotgerber Auguſtin Terrel aus Pforzheim erbaut, bis
1720 aber gegen hundert Häuſer. 1718 wurden bei Anweſenheit
fremder Gäſte im Schloß noch Betten von Durlach nach Karlsruhe
geſchickt. Mündliche überlieferung weiß zu erzählen, wie es dem
Markgrafen preſſierte, „die Häuſer ſeiner Stadt in einer äußerlichen
zierlichen Gleichheit aufgeſtellet zu ſehen“, und wie dieſe Karlsruher
Stadthäuſer auf dem Bauernmarkt gekauft wurden, denn Zimmer⸗
leute und Ziegler der Umgegend brachten das zur Errichtung des
Modellhäusleins nötige Material von Balken und Ziegeln wohlzu⸗
gerichtet Freitags auf den Häuſermarkt, und Handel wie Aufrichtung
waren bald im reinen. Jeder Neuankommende mußte in Zeit von
zwei Jahren ſein „völlig ausgebautes“ Haus aufweiſen. Schönes
Eichen⸗ und Forlenholz war nahe und reichlich vorhanden; es wurde
überall verwendet und umſonſt angewieſen, „um dem Hardtwald Luft
zu machen“. Herrliche Eichenſtämme, heutzutage von Goldeswert,
vergrub man manchmal in die Erde, nur um Platz zu gewinnen.
So war Alt⸗Karlsruhe eher Hofkolonie als Stadt, die einſtöckigen
Häuschen mit ihren Manſarddächern erinnerten ſehr an ein „hollän⸗
diſch Dörflein“. Holländiſche Backſteinwände nachahmend, trugen ſie
rötlichen Anſtrich, daher Reiſebeſchreiber damals von einer „roten
Stadt“ erzählen konnten.
Es waren zweifelhafte Anfänge und Zuſtände, innerhalb deren
übrigens jene „Zeit gepuderter Perücken“ luſtig zu leben wußte. In
der Konkordienkirche wurde ihr Gründer beigeſetzt. Auch von dieſer
iſt heute nur die Erinnerung übrig. Ihrer Abtragung im Jahre
1807 leiſtete dieſe Kirche, von der einſt Malſch rühmte: illustre
quoque templum oppidanum est, tům ob firmitatem suam tum ob
speciem, einen eigentümlichen Widerſtand. Die Scheitel der Ge⸗
wölbe wurden ausgebrochen, unterſprieſt und mit Holzkeilen feſt⸗
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