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III. Lokalgeſchichtliches. 157
Erbvertrags fielen ſeine Lande an die Durlachiſ che Linie zurück und
es war ſomit die geſamte Markgrafſchaft in Carl Friedrichs Hand
wieder vereinigt. Der heimgefallene Baden⸗Badiſche Anteil, die
obere Markgrafſchaft, beſtand aus dem Oberamt Raſtatt, den Amtern
Baden, Ettlingen, Steinbach, Bühl, Stollhofen, Kehl, der Grafſchaft
Eberſtein mit Frauenalb, den Herrſchaften Mahlberg und Staufen⸗
berg, der linksrheiniſchen Grafſchaft Sponheim und den Herrſchaften
Rodemachern und Heſpringen unter luxemburgiſcher Oberhoheit, zu⸗
ſammen 35 ½ Quadratmeilen und 75 450 Einwohnern.
Der infolge der franzöſiſchen Revolution ausgebrochene Krieg
zwiſchen dem Deutſchen Reich und Frankreich 1793 führte, nachdem
das linke Rheinufer von franzöſiſchen Truppen beſetzt und im Juni
1796 unter Moreau der Übergang auf das rechte Rheinufer bewerk⸗
ſtelligt wurde, zu einem Separatfrieden zwiſchen Baden und Frank⸗
reich 1796. Im Juli und September dieſes Jahres war die Murg⸗
linie und die nähere Umgebung von Karlsruhe ſelbſt Schauplatz von
Gefechten zwiſchen Franzoſen und Kaiſerlichen. Der Hof war nach
Triesbach bei Anspach übergeſiedelt.
In dem Lüneviller Frieden vom d. Februar 1801, Art. IV,
wurde das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten. Der am
25. Februar 1803 unter Vermittelung Frankreichs und Rußlands
zuſtande gekommene Reichsdeputationshauptſchluß wies in
§ 5 dem Markgraf von Baden für die ihm abgenommenen linksrhei⸗
niſchen Beſitzungen als Entſchädigung zu: 1. das Bistum Konſtanz,
2. die Reſte der Bistümer Speier, Baſel und Straßburg, 3. die
pfälziſchen Amter Ladenburg, Bretten und Heidelberg mit den Städten
Heidelberg und Mannheim, 4. die Herrſchaft Lahr, 5. die Landgraf⸗
ſchaft Hanau⸗Lichtenberg, 6. die Abteien Schwarzach, Frauenalb,
Allerheiligen, Lichtenthal, Gengenbach, Ettenheimmünſter, Peters⸗
hauſen, Reichenau, Ohningen, Salem, 7. die Probſtei Odenheim,
8. die Reichsſtädte Überlingen, Pfullendorf, Offenburg, Gengenbach,
Zell und das Reichstal Harmersbach. Die abgetretenen linksrheini⸗
ſchen Landesteile betrugen 19 Quadratmeilen mit 46626 Seelen,
die neuen Erwerbungen dagegen 177 Quadratmeilen mit 253 396
G Einwohnern, während die alten rechtsrheiniſchen badiſchen Stamm⸗
lande nur in 51 ½ Quadratmeilen mit 196 760 Einwohnern be⸗
ſtunden. Durch § 31 des Reichsdeputationshauptſchluſſes wurde dem
Markgrafen die Kurwürde verliehen.
Der erneute Ausbruch des Krieges zwiſchen Oſterreich und Frank⸗
reich, an welchem Baden zugunſten des letzteren ſich zu beteiligen
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