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III. Lokalgeſchichtliches. 163
ſchuß von 3 Gulden verſprach, doch ſo, daß die Summe der Zahlun⸗
gen jährlich nicht mehr als 300 Taler betragen ſolle. Von 1756 bis
1770 wurden auch an ſolchen Baugratifikationen 5580 Gulden aus⸗
bezahlt. — Um das Baumaterial aus den Grötzinger Steinbrüchen
leichter nach Karlsruhe zu ſchaffen, wurde der „Steinkanal“ von
Durlach her gegraben und im Jahr 1767 neben demſelben die ge⸗
rade Straße angelegt, an deren Seiten Carl Friedrich eigenhändig
die erſten italieniſchen Pappeln ſetzte. Die Pflaſterung der Straßen
machte Fortſchritte. Nach dem Anfall der Baden⸗Badiſchen Lande
wurden die meiſten Beamten, die bisher in Raſtatt wohnten, nach
Karlsruhe verſetzt, wo ſich überhaupt die höheren Regierungsſtellen
konzentrierten. Es ward eine eigene Baukaſſe gegründet, 1772
am Eck der Lammſtraße und des inneren Zirkels ein katholiſches
Bethaus errichtet, von 1773 bis 1777 das Durlacher und Rüppurrer
Tor, die Erbprinzen⸗ und Rüppurrertorſtraße*), 1779 das Zeug⸗
haus. 1784 errichtete Carl Friedrich eine eigene Polizeideputation,
welche bloß unter ihm ſtand, wöchentliche Rapporte machen mußte
und ſechs Mitglieder zählte, nämlich ein Mitglied der Regierung, des
Kirchenrates, der Rentkammer, den Militärkommandanten und einen
eigenen Polizeirat. Den geiſtigen Intereſſen wurde mannigfaltige
Sorge gewidmet, die Hofbibliothek, Naturalienſammlung, das phy⸗
ſikaliſche Kabinett und der botaniſche Garten vermehrt und erweitert,
das Gymnaſium gefördert, eine Zeichnungsſchule für Gewerbezög⸗
linge errichtet, eine Militärſchule gegründet, 1781 bis 1787 das
vom Fürſten reich dotierte Bürgerhoſpital, die neue Adler⸗ und Carl⸗
Friedrich⸗Straße, die Zähringerſtraße, das alte Akademiegebäude, ein
Spinn⸗ und Gewerbhaus, worin arme Leute ſich den Lebensunter⸗
halt verdienen konnten, 1788 das Gartenſchloß mit dem ſogenannten
Erbprinzengarten, 1794 ein Schlachthaus, 1799 das Archivgebäude.
Im Jahre 1793 zählte man 28 herrſchaftliche, 6 ſtädtiſche und
400 Privatgebäude, unter welchen 27 Juden gehörten; in Klein⸗
Karlsruhe aber 231 Häuſer. Das Bauweſen leitete bis kurz vor
ſeinem Tode 1801 der Bauinſpektor und Kammerrat Müller, „ein
ſolider Baumeiſter, der nebſt der Dauerhaftigkeit und dem gehö⸗
rigen äußerlichen Anſtand der Gebäude auf die Gemächlichkeit der
Privathaushaltungen und auf Sparſamkeit nach den erſten Zwecken
*) Die Jahreszahl 1776 trägt auch die von Max von Schenckendorf unver⸗
dienter Weiſe als „liebes Kirchlein an der Straßen“ beſungene Pfarrkirche
von Rüppurr.
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