Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 164
(PDF, 47 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0164
164 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

ſeiner Zeit geſehen hat“. Zu dem ihn lange beſchäftigenden Bau
des ſtädtiſchen Krankenhauſes hatte er Studien im Juliushoſpital in
Würzburg gemacht.
Im Jahre 1796 ſollte Carl Friedrich ſein fünfzigjähriges Regie⸗
rungsjubiläum begehen; vom 12. Juli bis 14. September 1796 aber
war die Stadt von Franzoſen beſetzt. Ein Augenzeuge ſchildert den
Zuſtand am 15. September 1796 folgendermaßen: „Obgleich ich
wegen der ſeit 24 Stunden geänderten Umſtänden nicht weiß, ob
gegenwärtiger Brief geradezu mit der Poſt abgehen könne, ſo gebe
ich ihn doch auf Geradewohl auf, um Ihnen und allen unſern Lieben
zu ſagen, daß wir alle gottlob geſund und wohl ſind, daß wir ſeit geſtern
Mittag keine franzöſiſche Beſatzung mehr, aber auch keine Kaiſer⸗
liche haben, daß aber die Delogirung der Franzoſen uns ziemlich
Schrecken gemacht habe, da unſere Stadt mit Canonen, Haubitzen und
Cartetſchen beſchoſſen wurde und das Plänkeln an dem Thor unſerer
Gegend ſowie das Hin⸗ und Hertreiben der beiden Parthien, das wir
Alles aus den Fenſtern mit anſehen konnten, ſehr groß war. Doch
iſt Alles ohne große Beſchädigung der Häuſer abgeloffen. Eine Haf⸗
nerfrau, die zum Fenſter herausſchaute, wurde von einer Kugel ge⸗
troffen und ſtarb auf der Stelle. Advokat Dill bekam eine Kugel in
den Fuß, den er wohl verlieren wird. Mir flog, da ich in Spital⸗
angelegenheiten über die lange Straße gehen mußte, eine Canonen⸗
kugel über den Kopf, doch die Vorſehung ſchützte mich. Die Kaiſer⸗
lichen ſind heute Nacht ſchon wieder weiter hinauf aufgebrochen und
heute marſchirte ein ſtarkes Corps über Ettlingen. Bis heute Nacht
ſollen ſchon 2000 Mann in Biſchofsheim eintreffen. Alles geht
außerordentlich raſch und wir ſtaunen und erwarten, was daraus
werden will.“
Die Kriegsereigniſſe brachten Stillſtand in die bauliche Entwicke⸗
lung, welche jedoch unter Einfluß des Länderzuwachſes von 1803,
1805 und 1806 neuen bedeutenden Aufſchwung nahm. Das Un⸗
ruhige, Raſtloſe, militäriſch Bewegte der Rheinbundzeit trug ſich auch
auf die badiſche Hauptſtadt über*), ohne daß die napoleoniſche ge⸗
walttätige Staatspraxis die innere Zuſtimmung des greiſen Fürſten
zu gewinnen vermochte. „Als Markgraf,“ hat er einmal geſagt,

*) „Man fand ſich,“ ſchrieb damals der Adjunkt des Hebelſchen Hausfreun⸗
des, Kölle, „in einem improviſierten Staate, in einer improviſierten Stadt,
beinahe wie in einem Lager, und gewöhnte ſich, alles als Zeitfragen zu be⸗
handeln.“ In den Jahrgängen 1807 bis 1814 des von Hebel redigierten Ka⸗
lenders „Rheinländiſcher Hausfreund“ ſpiegelt ſich jener Zuſtand.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0164