Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 166
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166 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

war Bedürfnis. Schon in früheren Jahrzehnten hatte der Italiener
Mauritio Pedetti einen „Hauptplan über die vorſeiende Erweiterung
der Hochfürſtlich Markgräflich badiſchen Reſidenzſtadt Carlsruhe“
entworfen.
In demſelben öffnete ſich gegen die Langeſtraße ein faſt quadra⸗
tiſcher Platz von beiläufig 90 m Seite; die einſpringenden Ecken
desſelben ſind abgekantet und führen in 'die neue Hauptſtraße über.
Rechts und links den Platz bekränzend, ſollten ſich ſtattliche mit
Portiken⸗ und Frontons geſchmückte Gaſthöfe erheben. Auf der Mitte
der abgeſchrägten Seiten führen reich durchgebildete ſäulengetragene
Vorhallen mit Arkaden verbunden in die dahinter befindliche Stadt⸗
kirche einerſeits, andererſeits in die Innenräume des Rathauſes,
beides ſchwere, mit plumpen Kuppeln überſpannte Rundbauten,
deren verſchiedene Beſtimmung durch den gleichartigen architektoni⸗
ſchen Ausdruck ſchwer zu erraten war. Zwiſchen Kuppel und Vor⸗
hallenbau erhoben ſich, erſtere überragend, hohe achteckige Türme,
in ihrem Aufbau die Mängel und Willkür der damaligen Kunſt⸗
periode nur zu prägnant an ſich tragend. Zwei öffentliche Brunnen
und zwei Monumente in Verbindung mit Waſſerkunſt ſollten dem
Platz zur weiteren Zierde dienen. Die neue Hauptſtraße erweiterte
ſich in der Richtung nach Süden ungefähr 45 Meter vom Markt⸗
platze zu einem kleinen rechteckigen Platze, deſſen Schmalſeiten halb⸗
kreisförmig abgeſchloſſen und mit zwei durch eine Brücke verbun⸗
denen größeren Baſſins belebt waren, hinter denen ſich ein Schlacht⸗
haus und eine Gerberei befinden ſollten. 75 Meter von hier fand
eine zweite Erweiterung ſtatt, gebildet durch ein 60 Meter im Durch⸗
meſſer faſſendes Rondell mit einem Obelisken in der Mitte geziert.
Nicht weit von hier ſchloß die neue Hauptſtraße mit einem reich
dekorierten Tor, das von Wachthäuſern flankiert war. Der Grund⸗
gedanke, die Aufeinanderfolge der Plätze, wurde bei der ſpäteren
Geſtaltung dieſes Stadtteils von Weinbrenner teilweiſe feſtgehal⸗
ten. Die Ausführung dieſer prunkhaften Entwürfe Pedettis, welche
das Generallandesarchiv aufbewahrt, wurde durch die franzöſiſche
Revolution vereitelt. Aus der Baukaſſe wurde im Jahr 1804 je⸗
dem, der an Stelle eines alten Hauſes ein neues modellmäßiges
erbaue, ein Betrag von acht Gulden für den Schuh der vorderen
Faſſade verſprochen; wer in der langen Straße ein dreiſtöckiges
Haus errichtete, erhielt ſogar fünfzehn Gulden für den Schuh. Ein
Lyzeum und eine Fleiſchhalle entſtanden 1806, man verſetzte die
Tore; in den Jahren 1807 und 1808 wurde mit dem Bau einer


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