http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0167
II. Lokalgeſchichtliches. 167
neuen evangeliſchen und einer katholiſchen Kirche begonnen, ſowie
die Zähringerſtraße und einige andere bedeutend erweitert. Im
Jahre des großen Kometen und der großen Weinleſe, am 10. Juni
1811, dreiundachtzig Jahre alt, beendigte Carl Friedrich ſein inhalt⸗
reiches Leben. In ſeinem botaniſchen Garten blühte dieſelbe Agave
lurida wieder, die bei ſeinem Regierungsantritt zum erſtenmal einen
Blütenſtengel getrieben. Die Ahnengruft zu Pforzheim umſchließt
ſeine irdiſchen Reſte.
In der Regierung folgte ſein Enkel Karl (geb. 1786), Sohn des
zu Arboga in Schweden 1801 verſtorbenen Erbprinzen Karl Lud⸗
wig und der Prinzeſſin Amalie Friederike von Heſſen. An ſeiner
Hand machte das Großherzogtum, ſeit 1813 befreit von der Pflicht
franzöſiſcher Heeresfolge, den wichtigen Schritt vom napoleoniſchen
Vaſallenſtaat zum deutſchen Bundes⸗ und Verfaſſungsſtaat; am
22. Auguſt 1818, wenige Monate vor ſeinem Tode, ſanktionierte er
die für Badens Entwickelung folgenreiche, von Nebenius entwor⸗
fene landſtändiſche Verfaſſung. Die im Bau liegenden öffentlichen
Gebäude ließ er vollenden und erweiterte die ſogenannten Bau⸗—
gnaden in bezug auf die lange Straße, indem derjenige, welcher
dort ein neues Haus aufführte, je nachdem es zwei⸗, drei⸗ oder
vierſtöckig war, 12, 25 und 30 Gulden für den laufenden Fuß der
vorderen Seite erhielt. Unter ſeiner durch Krieg ermüdeten, den
Geſchäften wenig geneigten, ſpäter durch Teuerung erſchwerten Re⸗
gierung kamen zur Ausführung die Lyzeums⸗-, Amalien⸗, Karls⸗,
Stephanien⸗ und Akademieſtraße, das Muſeum (1813), die Ly⸗
zeumsgebäude, das Pulvermagazin bei Bulach, die jetzige Geſtaltung
des Schloßplatzes (1814), der Spitalplatz (1815), das Gartenpalais
der Markgräfin Friedrich und das Mühlburger Tor an ſeiner jetzi⸗
gen Stelle. Im Jahr 1818 erfolgte die Vereinigung mit der Ge⸗
meinde Kleinkarlsruhe, welche ſeit der Gründung eine eigene Ge⸗
meinde bildete. Ein vollſtändiges Bild der Stadt zur Zeit ihrer
hundertjährigen Jubelfeier gewährt das 1815 von Th. Hartleben
entworfene ſtatiſtiſche Gemälde. (Verlag von G. Braun.) Einen
Stadtplan von 1814 hat G. Börner auf Stein geſtochen. (Verlag
von F. Müller.) Auf demſelben nimmt ſich das Projekt, einen Kanal
vom Rhein durch Hardtwald und Schloßgarten, hart am Schloßturm
vorbei in den Durlacher Steinſchiffkanal zu führen, unweit des jetzi⸗
gen kleinen Exerzierplatzes ein von zwei Kaufhäuſern flankiertes
Hafenbaſſin und an der Grünwinklerallee eine Kaufhausſtraße an⸗
zulegen, für ein modernes Auge ſeltſam genug aus.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0167