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III. Lokalgeſchichtliches. 169
Wiederaufnahme der römiſchen Bau⸗ und Kunſtformen wurde ange⸗
ſtrebt. Schon damals war Weinbrenner als Lehrer der Baukunſt
aufgetreten, hatte dem Prinzen Auguſt von England, dem Grafen
Münſter u. a. Unterricht erteilt und ſich in archäologiſchen Wieder⸗
herſtellungen vieler von alten Schriftſtellern beſchriebenen Gebäude
verſucht. Auf der Heimkehr riet er der Munizipalität von Straß⸗
burg ab, als ſie im Begriff war, das Innere des Münſters nach
einem abſcheulichen Plan, welcher das ganze Gebäude verunſtaltet
hätte, zu einem Tempel der Vernunft einzurichten. In Karlsruhe
wurde ihm zwar Anerkennung, aber nur geringe Anſtellung zuteil,
weil man den verdienten Bauinſpektor Müller nicht zurückſetzen
wollte; er verließ ſein Vaterland nochmals und ließ ſich einige Zeit
in Straßburg nieder, fertigte hier die Pläne zu den Monumenten
der Generale Deſaix und Beaupuy, den Entwurf zu dem vom fran⸗
zöſiſchen Direktorium projektierten Nationaldenkmal der Republik
auf dem Platze des Chateau Trompette in Bordeaux, ſowie den
Plan zu einem 1801 in Straßburg projektierten Friedensdenkmal.
Dieſe Kompoſitionen gründeten ſeinen Ruhm, er wurde unter vor⸗
teilhaften Bedingungen nach Hannover berufen, lehnte aber infolge
einer Wiederanſtellung als Bauinſpektor in Karlsruhe ab, woſelbſt er
ſeit 1809 die höchſte Stelle ſeines Faches, als Oberbaudirektor des
Landes und Geheimrat, einnahm.
Von 1800 bis zu ſeinem Tode war er ſowohl in den Geſchäften
des Bauamts als in der von ihm errichteten Schule zur Bildung
junger Architekten, aus der gegen hundert Schüler, darunter Moller,
Chateauneuf, Hübſch, hervorgingen, unermüdlich tätig. Karlsruhe
erhielt durch ihn ein hauptſtädtiſches Anſehen; der Marktplatz mit
allen ihn umgebenden öffentlichen und Privatgebäuden bis zum
Rondell und dem Ettlingertor, in deſſen Nähe auch des Baumeiſters
eigenes Haus ſteht, darf als der ſchwungvollſte Ausdruck ſeines
Strebens betrachtet werden. Zu ſeinen Werken zählen ferner die
Synagoge, der vordere Teil der Infanteriekaſerne, die katholiſche
Kirche, das 1807 begonnene und 1847 durch Brand zerſtörte Hof⸗
theater, wofür er die von ihm in optiſcher und akuſtiſcher Hinſicht
als die beſte erkannte Form der antiken Bühnen wählte und in einer
beſondern Schrift Rechenſchaft gab, — das Muſeum, das Stände⸗
haus, deſſen Plan ihm jedoch abgeändert wurde; die Gebäude im
Garten der Markgräfin Amalie, darunter der von alten Eichen um⸗
ſchattete, eine Kapelle mit Grabdenkmal von Scheffauer enthaltende,
in der Neuzeit dem Straßenalignement, das er unterbrach, zum
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