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170 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
Opfer gefallene „gotiſche Turm“, ſodann das Gartenſchlößchen der
Markgräfin Friedrich, beide in Heft 1 und 2 ſeiner „projectirten
und ausgeführten Gebäude, Karlsruhe 1822 bei Marx“, des Näheren
beſchrieben. Zu Denkmälern für berühmte Zeitgenoſſen und Be⸗
gebenheiten lieferte er wiederholt groß angelegte Entwürfe. In
Baden erbaute er das Konverſationshaus, die Antiquitätenhalle, ein
Dampfbad, die Reſervoirs mit Trinkhalle und ſtellte aus den Ru⸗
inen das Schloß Neu⸗Eberſtein im Murgtal wieder her. Da er in
weiten Kreiſen als Autorität galt, wurde ſein Gutachten öfter ver⸗
langt; in andern Gegenden des Landes wie im Ausland wurden
Projekte von ihm ausgeführt, z. B. in Leipzig das Stadttheater,
in der Krimm ein Landſchloß für den General Miloradowitſch, im
Hannoverſchen mehrere Gefängniſſe. Das Inſtitut der Kreisbau⸗
meiſter wurde von ihm in Baden ins Leben gerufen. Seine Freude
war, ein erſtes Aufblühen der bildenden Künſte in ſeiner Vaterſtadt
zu erleben und nicht mehr ganz allein zu ſtehen; der aus kalmücki⸗
ſchem Stamme 1765 geborene, von der ruſſiſchen Kaiſerin als Knabe
der Erbprinzeſſin Amalie von Baden geſchenkte Hiſtorienmaler Feo⸗
dor Jwanowitſch, ſowie der Kupferſtecher Chriſtiean Haldenwang
(geſt. 1831), der Tiermaler Karl Kunz (geſt. 1830), der Landſchafter
Karl Frommel (geſt. 1863), die gemütvolle Sophie Reinhardt (geſt.
1843) zählten zu ſeinen Karlsruher Freunden. Auch Arger blieb
ihm nicht erſpart. Während ſeiner Abweſenheit in Leipzig ſuchte ſich
ein Miniaturmaler Leonelli als Baumeiſter aufzumanövrieren und
ſetzte in einer franzöſiſchen Druckſchrift Weinbrenners Bauweiſe her⸗
ab. Dieſen fertigte der Zurückgekehrte in ſeiner Schrift: „Der Bau⸗
meiſter an den Maler“ ſcharf ab. Vielſeitig anregend war Wein⸗
brenner als Fachſchriftſteller. Außer kleineren Aufſätzen im Morgen⸗
blatt (über die römiſchen Katakomben, über einen römiſchen Brun⸗
menſtein in Baden u. a.) und im hannoverſchen Magazin (1803
über das bei Ettlingen ausgegrabene Römerbad) ſchrieb er 1809
„über die weſentlichen Teile der Säulenordnungen und die jetzige
Bauart der Italiener, Franzoſen und Deutſchen“ mit ſechs wohl⸗
radierten italieniſchen Tempelveduten und „über Theater, beſonders
über das neue in Karlsruhe mit 3 Kupfern“. Seit 1810 erſchien in
3 Teilen, für ſeine Bauſchule ausgearbeitet, ſein großes „architekto⸗
niſches Lehrbuch“. In dieſem legte Weinbrenner die Hauptergebniſſe
ſeiner Studien und Erfahrungen nieder. Ein vierter Teil, die Lehre
über Fertigung der Treppen, über Schreiner⸗, Glaſer⸗ und Schloſſer⸗
arbeiten, ſowie über Holzkonſtruktion lag bei ſeinem Tode nebſt den
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