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III. Lokalgeſchichtliches. 175⁵
einer Reihe bedeutender öffentlicher Bauten und der Ausarbeitung
großer ſchriftſtelleriſcher Aufgaben. Als Programm praktiſcher Tätig⸗
keit veröffentlichte Hübſch 1828 die Schrift: „In welchem Stile ſollen
wir bauen?“ und ſuchte, im Gegenſatz zur horizontalen Überſpan⸗
nung der Säulen und Pfeiler und zur flachen Decke des griechiſchen
Stiles, ein Hauptelement monumentaler Schönheit und Zweckmäßig⸗
keit in der Bogenüberſpannung und dem Gewölbebau. Dabei er⸗
teilte er dem Rundbogenſtil und für Kirchenbauten einer freien
Wiederbelebung der altchriſtlichen Baſilikamotive den Vorzug vor
der Gotik. In dieſer mit philoſophiſcher Schärfe erkannten, auf
zahlreichen Studienreiſen durchgebildeten und durch eigenes Schaf⸗
fen in immer neuer freier Anwendung bewährten Grundſätzen führte
er in den nächſten Jahrzehnten zahlreiche größere Bauten aus und
gab ihre Beſchreibung und Erklärung in der Schrift: „Bauwerke
von Hübſch, Text und Abbildungen, 2 Hefte, und Bauwerke neue
Folge, 3 Hefte. Karlsruhe, Verlag von J. Veith“. Dort in der Ein⸗
leitung charakteriſiert der Meiſter ſelbſt ſein auf fortwährende innere
Läuterung und techniſche Klarheit gerichtetes Streben und ſeinen
künſtleriſchen Entwickelungsgang.
Seine Selbſtſchilderung mag zugleich dartun, wie klar und bündig
er die Feder zu führen wußte; ſeine „Betrachtungen über Land⸗
kirchen“, „eine neue Dachkonſtruktion“ und „praktiſche Beſtimmungen
über Gewölbe, nebſt Beſchreibung einer Methode zu Beſtimmung der
erforderlichen Bogen⸗ und Widerlagsſtärken mittelſt eines graphi⸗
ſchen Verfahrens“ ſind von allgemeinem Inhalt. Vollkommenere
Ausführung gab er ſeinen durch zwanzigjährige Praxis und wieder⸗
holte Kunſtreiſen gereiften und an den gleichzeitigen Beſtrebungen
der Schweſterkünſte gekräftigten Ideen in dem Buch: „Die Archi⸗
tektur und ihr Verhältniß zur heutigen Malerei und Sculptur,
Stuttgart bei Cotta 1847.“ Eine Lücke in der Kunſtgeſchichte füllt
ſein großes mit eigenen Opfern zuſtande gebrachtes Werk: „Die alt⸗
chriſtlichen Kirchen nach den Baudenkmalen und ältern Beſchreibun⸗
gen und der Einfluß des altchriſtlichen Bauſtyls auf den Kirchenbau
aller ſpätern Perioden, dargeſtellt und herausgegeben für Archi⸗
tekten, Archäologen, Geiſtliche und Kunſtfreunde von Dr. Hübſch.
Karlsruhe 1852 bei W. Haſper, ein Band Atlas mit 63 Platten, ein
Band Text.“ Es behandelt diejenige Periode des chriſtlichen Kirchen⸗
baues, welche bis jetzt am wenigſten unterſucht war; keines der be⸗
deutendern noch vorhandenen Monumente fehlt, viele ſind zum
erſtenmal genau dargeſtellt. Auch diejenigen, von welchen ſich nur
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