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176 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
Beſchreibungen wie bei Euſebius, Procopius, Gregorius von Tours
vorfinden, werden erläutert, wichtige Exkurſe mit Anmerkungen ſind
beigegeben. Als praktiſches Ergebnis wird aufgeſtellt: Erſtens daß
die altchriſtlichen Monumente vermöge ihrer kühnen Konſtruktionen
und der errungenen Vollkommenheit des Gewölbebaues hoch über
den heidniſchen vor ihnen ſtehen und daß ſie hierin durch den aus
ihnen hervorgegangenen mittelalterlich⸗chriſtlichen Kirchenbau keines⸗
wegs übertroffen werden. Zweitens daß hinſichtlich der korrekten
ſtatiſchen Hauptgeſtaltung der Elemente ebenfalls kein Fortſchritt,
weder in der romaniſchen noch in der gotiſchen Architektur ſtattge⸗
funden hat. Drittens daß auch in der formalen Ausbildung, die
wohlbewußt nach klaſſiſch⸗chriſtlicher Weiſe, wiewohl nicht mehr jene
antike Feinheit und Zierlichkeit erreichend ſtattfand, die altchriſtliche
Architektur — den Turmbau ausgenommen — nichts weniger als
überboten wurde durch die romaniſche Architektur und daß ſie ſich
nach allen Seiten hin mit der gotiſchen meſſen kann, die allerdings
ihre formale Ausbildung bis zum kleinſten Gliedchen harmoniſch
vollbracht hat, aber dabei weit von dem wahren naiven Standpunkt
der Kunſt abgeirrt. Notizen über die eigenen Kirchenbauten, Platte
LVIII bis LXIII, entwickeln des Verfaſſers Anwendungen des alt⸗
chriſtlichen Stils in den vielen von ihm ausgeführten Kirchen und
Kapellen des badiſchen Landes ſowie zu Ludwigshafen. — Platte L
bis LII aber mit dem dazu gehörigen Text gibt die Beſchreibung und
Begründung der mit beſonderem Eifer und Erfolg 1854 bis 1858
durchgeführten Reſtauration des Speierer Doms und des Neu⸗
baues der Vorhalle. Studium und Lebensanſchauung hatten
ihn bewegt, 1850 zu Rom in die Gemeinſchaft der katholiſchen Kirche
einzutreten, im Winter 1861 auf 1862 ward ſeine Geſundheit wan⸗
kend, 1863 entwickelte ſich ein Leberleiden, am Karfreitag 1863 be⸗
ſchloß er ſein an künſtleriſchen Taten reich geſegnetes Leben. Wir
verſagen uns, auf ſeine Wirkſamkeit als Leiter und Lehrer der Bau⸗
ſchule von 1830 bis 1854, auf die Einzelaufzählung ſeiner Bauten,
Gutachten, Entwürfe, auf die anziehende Geſchichte der Speierer
Domwiederherſtellung, welche ihm das perſönliche Wohlwollen des
Königs Ludwig von Bayern wie des Kaiſers Franz Joſeph von
Oſterreich erwarb, hier einzugehen, indem wir auf das ausführliche
Charakterbild, welches ein Freund des Verewigten in Band LIII der
hiſtoriſch politiſchen Blätter entworfen hat, hinweiſen.
Hübſch hat die Karlsruher gelehrt, daß neben ſparſamem orna⸗
mentloſem Nützlichkeitsbau eine höhere Architektur als erſte der ſchö⸗
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