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III. Lokalgeſchichtliches. 177
nen Künſte beſteht; ſein neues Akademiegebäude wurde 1844 als
Vorbote neuer Kunſtentfaltung — was den Baumeiſtern hierorts
nicht allzuhäufig geſchieht — mit Sonetten begrüßt.
Früher als Hübſch, zu früh für ſeine Kunſt, am 27. Februar 1854,
verſtarb ſein Fachgenoſſe Friedrich Eiſenlohr.
Am 23. November 1805 in Lörrach geboren, wo ſein Vater Diako⸗
nus und Vorſteher am Pädagogium war, erhielt er den erſten Unter⸗
richt dort und ſpäter in Freiburg. Früh ſich entwickelnde Anlagen
zum Zeichnen und der mächtige Eindruck des Freiburger Münſters,
das „wie ein erhabenes ſteinernes Gebet ihn anregte, auch mit
ſeinen Kräften und Gaben Gott zu preiſen“, führten ihn der künſt⸗
leriſchen Laufbahn zu.
In dem Geiſte ſchlichter Frömmigkeit, reger Naturauffaſſung und
wiſſenſchaftlichen Fleißes, der ſo manchen, proteſtantiſchem Land⸗
pfarrhauſe Entſproſſenen durch das Leben begleitet, widmete er
ſich der Baukunſt. In der Freiburger Privatſchule für Architekten
unter Leitung des Kirchenbaumeiſters Chriſtoph Arnold genoß er die
erſte Unterweiſung und trat zur Fortſetzung ſeiner Studien in die
Bauſchule zu Karlsruhe ein. Höhere Ausbildung ſuchte Eiſenlohr,
bedrückt, wie er ſelbſt ſagte, von den Feſſeln, welche die Weinbren⸗
nerſche Schule ihm anlegte, in Italien 1828. Von Rom aus ſpürte
er bedeutenderen Bauwerken bis in verborgene Winkel der Apen⸗
ninen nach, oft unter Mühſeligkeiten, die niemand mit ihm zu
tragen bereit war, und mag dort ſchon in ſeine kräftige Natur einen
Krankheitskeim aufgenommen haben. Oſterley, Stier, Ebeling, Koop⸗
mann zählten zu ſeinen römiſchen Freunden. Nach anderthalbjähri⸗
gem Aufenthalte kehrte er nach Karlsruhe zurück, beſtand 1830 die
Staatsprüfung und wurde 1832 Lehrer an der neu errichteten Bau⸗
ſchule des Polytechnikums. Hier wirkte er bis an ſein Ende, ſeit
1839 als Profeſſor, ſeit Frühjahr 1853 als Vorſtand mit dem Cha⸗
rakter als Baurat. Von ganzer Seele ſeinem Berufe angehörend,
entfaltete er in demſelben reiche Wirkſamkeit. Er vermochte friſche
Begeiſterung für das Schöne auch auf andere überzutragen und war
hochverehrt von den Schülern. Einer von chriſtlichen Ideen und
echter Volkstümlichkeit beſeelten, unwahre Maskerade verwerfenden,
aus dem individuellen Bedürfnis der Zeit und des Volks Stil und
Kraft ſchöpfenden Baukunſt galt ſein Streben, und ſprach ſich 1833
in der Antrittsrede „über den Bauſtil der neueren Zeit und ſeine
Stellung im Leben der gegenwärtigen Menſchheit“, ſpäter 1848 in
den „Gedanken über evangeliſchen Kirchenbau“ aus.
Scheffel. X. 12
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