http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0178
178 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.
„Bei meinen Bauten,“ ſagte er, „ſeien ſie in Quader, Backſteinen
oder Holz ausgeführt, zeige ich überall das Material und unverhüllte
wirkliche Konſtruktion und eine ſich darauf gründende Formenbil⸗
dung, alſo keine Scheinformen, ſondern ich erſtrebe Wahrheit.“ Die
neuen Aufgaben der Eiſenbahnzeit haben in ihm ihren Mann ge⸗
funden. „In ungemein zierlicher Auffaſſung hat er in den Hoch⸗
bauten der Bad. Eiſenbahn einen edeln romaniſchen Stil zugrunde
gelegt und die Formen desſelben auf geiſtvolle Weiſe mit den mo⸗
dernen Bedürfniſſen in Übereinſtimmung zu bringen gewußt. Die
Bahnhöfe zu Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg mit ihren weiten
Hallen, ihren anmutigen Arkaden und der maleriſchen Gruppierung
gehören in ihrer echt künſtleriſchen Haltung zu den liebenswürdigſten
Schöpfungen ihrer Art. Aber ſelbſt in den kleineren Stationsge⸗
bäuden, ja in den unſcheinbaren Wärterhäuschen hat der treffliche
Architekt durch glückliche Benützung des Terrains, durch naiven Reiz
der Anlage und durch Aufnahme des im Schwarzwald heimiſchen
Holzbaues eine Fülle anſpruchsloſer und anſprechender Werke ge⸗
ſchaffen. Er redet in ihnen die trauliche Sprache des Landes in ähn⸗
lich anheimelnder Weiſe, wie Hebel in den alemanniſchen Gedichten
den Dialekt derſelben Gegenden poetiſch verklärt hat?*).“ Außerdem
zählt die Herſtellung des der Familie von Berkholz gehörigen Orten⸗
berger Schloſſes bei Offenburg, ſodann die Reſtauration der evan⸗
geliſchen Stadtkirche in Lahr, der Bau der Trinkhalle in Baden⸗
weiler zu ſeinen Werken. Die proteſtantiſche Kirche in Baden wurde
nach ſeinem Tode nach ſeinen Plänen von Lang ausgeführt.
Im Kunſtverlage von J. Veith zu Karlsruhe hat Eiſenlohr her⸗
ausgegeben: „Ornamentik in ihrer Anwendung auf Bauwerke,
24 Hefte“, eine Sammlung, die wegen praktiſcher und auf das ein⸗
zelne gehender Richtung, ſowie durch Darſtellung in großem Maß⸗
ſtabe bei Schulen, wie Bauhandwerkern gebührende Verbreitung ge⸗
funden hat. Beſtimmt, als Vorlagen zum Unterricht im Bauplan⸗
zeichnen zu dienen, ſind die „Entwürfe ausgeführter Gebäude ver⸗
ſchiedener Gattung“, 17 Hefte, welche außer ſeinen Kirchen und
Schloßbauten in anſprechender Auswahl ſeine Bahnhöfe, Stations⸗
gebäude und Bahnwartshäuſer darſtellen. Die mit den Eleven der
Bauſchule alljährlich unternommenen kunſtgeſchichtlichen Ausflüge
und während 20 Jahren mit Vorliebe geleiteten Aufnahmen nach
der Natur veranlaſſen den Plan der „Mittelalterlichen Bauwerke
*) Lübke, Geſchichte der Architektur. Leipzig 1865, p. 751.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0178