Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 182
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0182
182 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

und hat die Wildnis gerodet, welche den Schutt des alten Schloß⸗
gartens überwuchert hatte. Dieſer letztere war die Schöpfung des
prachtliebenden Kurfürſten Friedrich V., des nachmaligen Winter⸗
königs, und ſeines genialen, beſonders in Waſſerkünſten wohlerfah⸗
renen normänniſchen Ingenieurs Salomon de Caus, der in ſeinem
Werk „les raisons des forces mouvantes“ zuerſt die bewegende und
treibende Kraft des Dampfes beſchrieben. Der noch vorhandene
Plan aus dem Jahre 1620 gibt mit der von Salomon de Caus ſelber
angefertigten Beſchreibung zuſammen ein ungefähres Bild von der
Pracht dieſer Terraſſen und Galerien, dieſer mit zierlichen Bildne⸗
reien, Muſcheln und Korallen geſchmückten Grotten, Portale, Bogen⸗
hallen, der Weiher, Waſſerſpiele, Brunnen, Pomeranzenhaine, Blu⸗
menbeete und Irrgärten, womit das Schloß nach drei Seiten hin
reizend umgeben war. L
Im Jahre 1616, noch mitten in dem Taumel der Feſte und Luſt⸗
barkeiten, welche ſeit der Vermählung des jungen Kurfürſten mit
Eliſabeth Stuart 1613 auf dem alten Pfalzgrafenſitze kein Ende
genommen hatten, war die Anlage begonnen worden und am 20. De⸗
zember 1619 ſchrieb de Caus ſeinen Bericht an den in Böhmen wei⸗
lenden Fürſten, um ihn in Kenntnis zu ſetzen von dem vorläufigen
Abſchluß der Arbeiten, deren Vollendung, wie er meinte, nunmehr
„umb etwas verſchoben und zurückgeſtellt“ ſei *).
Ende des vorigen Jahrhunderts war die ganze Schloßruine ein
großer Steinbruch geworden für alle, die ſich ſonſt eines Stein⸗
bruches nicht erfreuten.
Als die Pfalz badiſch wurde (1804), ſchuf der eben nach Heidel⸗
berg berufene Profeſſor Gatterer mit Genehmigung der Regierung
in den wald⸗ und ſchuttbedeckten Ruinen des Schloßgartens eine
forſtbotaniſche Anſtalt, verbunden mit einem öffentlichen Spa⸗
ziergang. Den Plan dazu lieferte Hofrat Zeyher aus Schwetzingen.
Die Doppelarbeit der Ausrottung der Wildnis durch Entfernung der
Hecken und Zwiſchenmauern, Anlage von Wegen und der Anpflan⸗
zung von in⸗ und ausländiſchen Holzarten und Gewächſen begann
im Oktober 1804. Sie gewann 1812 durch den Garteninſpektor
Metzger einen ebenſo fähigen als eifrigen Pfleger und iſt heute ein
Stolz der Hochſchule, ihre Sammlung von Koniferen iſt die erſte
ihrer Art.
*) S. Hortus palatinus a Friderico Rege Boëmiae. Electore palatino
Heidelbergae exstrumus, Salome de Caus Architecto 1622. Franco-
furti i apud Joh. Theodor. de Bry.


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